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Gnarls Barkley

Gnarls Barkley - Foto Copyright: Jeremy and Claire Weiss

Foto: Jeremy and Claire Weiss

Vielleicht wird Gnarls Barkley sich niemals wirklich ganz offenbaren. Aber wenn St. Elsewhere überhaupt ein Hinweis auf irgendwas ist, dann, dass seine Musik die Gefühlstiefe Marvin Gayes besitzt, die ausdrucksstarke Theatralik von Jeff Buckley und ein unbändiger Mut, wie man ihn seit Princes Höchstzeiten nicht mehr erlebt hat.


Verwandte Genres

Pop Rock Hip-Hop

Biographie

Du bist der Beste. Du bist der Schlechteste. Du bist Durchschnitt. Deine Liebe ist ein Teil von dir. Du versuchst sie loszuwerden, weil du ihr Strahlen nicht erträgst, aber du kannst sie nicht von dir trennen. Um deine Mitmenschen zu verstehen, musst du verstehen, warum du ihnen Liebe gibst. Du musst verstehen, dass Hass nichts als eine kriminelle Unterabteilung von Liebe ist. Du musst zurückfordern, was dir nie genommen wurde. Du musst dich von deiner geistigen Gesundheit verabschieden und trotzdem voll verantwortlich für deine Handlungen sein!“ Gnarls Barkley, in einem Brief an Rockkritiker-Legende Lester Bangs.

Wer also ist Gnarls Barkley? Nur ein eifriger Brieffreund von Bangs, Soul-Gigant Isaac Hayes und Violent Femmes-Chef Gordon Gano? Gut gehütetes Geheimnis von Popstars wie Mariah Carey und Janet Jackson? Englischlehrer der Synthrock-Legenden Kraftwerk? Croupier mysteriöser, jährlicher Versammlungen in der Bay Area, die sowohl Mitglieder des Wu-Tang-Clans, als auch des britischen Kunst-Kollektivs der Stuckisten anzieht? Es wirkt so, als sei Gnarls Barkley in der Welt der Musik immer in der Nähe, aber unmöglich aufzufinden. Sowohl die Mitgliederlisten des HipHop-Kollektivs Dungeon Family aus Atlanta, als auch die von Elephant Six, der psychedelischen Enklave aus Athens, Georgia, führen Gnarls Barkley als Verbündeten, aber wenn man seinen Namen in einer dieser Gruppierungen laut ausspricht, werfen die Mitglieder einander ängstliche Blicke zu oder fangen an über Basketball zu reden. Die Gerüchte fliegen in jede Richtung und bleiben stets unbestätigt.

Clinton Jacks arbeitet als Koch in einer Waffle-House-Filiale an der Küste in South Carolina. „Eines Nachts im Jahre 2000 kam Danger Mouse herein,“ erinnert er sich. „Cee-Lo war auch bei ihm. Und sie hatten so einen Typen dabei, der aussah wie H. R. Pufnstuf. Danger Mouse und Cee-Lo haben eine große Mahlzeit gegessen, aber H.R. Pufnstuf wollte nur Bratkartoffeln. Dann gingen sie, jedenfalls Danger Mouse und Cee-Lo, aber Pufnstuf ist noch stundenlang geblieben. Der muss mindestens zwanzig Tassen Kaffee getrunken haben. Einmal ging ich aufs Klo und als ich wieder raus kam, war er verschwunden. Aber er hatte 500 Dollar Trinkgeld auf dem Tisch gelassen. Und einen Zettel: ‚Komplimente an den Chef. Gnarls Barkley.’“

Danger Mouse, a.k.a. Brian Burton, produzierte das berüchtigte „Grey Album“, ein komplettes Album mit Musik von den Beatles und Raps von Jay-Z, das zu einem Kultklassiker wurde, nachdem die EMI es die weitere Verbreitung unterbunden hatte. Jüngst bekam er eine Grammy-Nominierung als „Producer of the Year“ für seine Arbeit mit der „virtuellen Band“ Gorillaz. Danger Mouse ist kein Fremdling im Umgang mit übergroßen Charakteren, immerhin hat er mit dem enigmatischen Rapper MF DOOM zusammen gearbeitet, ganz abgesehen davon auch mit einer ganzen Gruppe von Stimmen bei „Adult Swim“. Er gibt zu, dass er auf St. Elsewhere etwas nachgeholfen hat, dem ersten Album, das Gnarls Barkley zugeschrieben wird. „Viele Leute fragen mich nach ihm,“ so Danger Mouse, wenn das Thema zur Sprache kommt. „Er fand eines meiner Pelican-City-Alben, das aus Downtown-Experimenten bestand, die ich auf dem College angefangen hatte, und begann, mir Briefe zu schreiben. Er ist NICHT Damon Albarn [Blur-Frontmann und Gorillaz Co-Designer], da muss ich euch gleich den Wind aus den Segeln nehmen. Viele Leute glauben, er lebe in South Carolina. Ich persönlich glaube, in Europa würde man ihn eher finden.“ Und aus dem Hintergrund nuschelt Burtons spiritueller Ratgeber, der normalerweise immer stille „Mr. President“, etwas unverständliches und dann „...ich weiß auch nicht, wo er ist.“

Cee-Lo Green, a.k.a. Thomas Calloway, ist ein Dungeon Family-Adept, Einmal-und-für-immer-Mitglied des Goodie Mob und ein Solokünstler ohne Stilgrenzen. Seine Musik wurzelt in den Gospel- und Bluestraditionen des Southeast und verschmilzt zeitlosen Soul mit experimentellem Funk und HipHop. Er bestätigt Berichte, nach denen seine dramatischen Vocals und seine aufwühlenden Lyrics auf Teilen von St. Elsewhere zu finden sind. “Ja, ich glaube, ich hab zumindest auf ein paar Tracks auf der Gnarls Barkley-Platte gesungen,” sagt er. “Aber wir sind nicht dieselbe Person. Ich bin Cee-Lo, nur eine bescheidene Trompete, und der Atem Gottes bläst durch mich hindurch. Man könnte Gnarls als Speichelklappe der Trompete betrachten, wenn man ihn denn überhaupt heranziehen will.” Und während er weg geht, hört man Cee-Lo leise vor sich hinfluchen: “Wollt ihr wissen, wer er wirklich ist? Er ist der Typ, der mir immer noch 35 Dollar schuldet. Das ist er.”

Wirft St. Elsewhere nun ein klärendes Licht auf die mysteriöse Person Gnarls, oder verwischt es den Eindruck eher noch? Auf jeden Fall ist es ein vielschichtiges Album, das alle Spektren von Popmusik und menschlicher Emotion bemüht. Die mit einer warmen Brise versehene Single „Crazy“ und das fingerschnippende „Smiley Faces“ erinnern gleichermaßen an Songs In The Key Of Life wie Good Vibrations. „On Line“, ein Klagelied der Einsamen und Bemühten, könnte auch ein trickreicher G-Funk Nachkomme sein. Oftmals dunkel und unvorhersehbar, besitzt St. James auch einen Sinn für Freude. So erblühen selbst die dunkleren Momente Cee-Los in ihren funky Umgebungen, wie etwa sein introspektives “Necromancer” und das zurückgelehnte „Just A Thought”, in dem unser Held mit der verführerischen Aussicht auf Selbstmord kämpft. Immer verändert das Album seine Form, und niemals ist es wirklich zu greifen. Und es enthält eine Menge widersprüchlicher Hinweise darauf, wer Gnarls Barkley wirklich ist.

„Ich habe ihn zu meiner Lebensaufgabe gemacht,“ gesteht Milton Pawley, ein Musikjournalist aus Los Angeles, der weltweit als führender Barkley-Kenner anerkannt ist. „Aber selbst mit all den Beweisstücken, die ich bisher gesammelt habe, bin ich noch nicht sicher, ob er wirklich existiert. Vielleicht ist Gnarls Barkley gar keine Person. Vielleicht existiert er draußen im Wind. Vielleicht steckt er in uns allen. So wie Bob aus Twin Peaks, nur etwas funkiger und nicht so böse.“


Diskographie

The Odd Couple

Album

Warner Music






Artikel von: Redaktion Quelle: Warner Music Letztes Update: 24.03.2008








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