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Will.I.am

Will.I.am - Foto Copyright: Universal Music

Foto: Universal Music

Eine Sache muss von Anfang an klar sein: Die Black Eyed Peas werden sich nicht auflösen. Wiederhole: nicht auflösen. will.i.am, seines Zeichens Produzent und Frontmann der mehrfach platingeschmückten Peas, legt großen Wert darauf, dass dieses unumstößliche Faktum bereits eingangs erwähnt und zur Kenntnis genommen wird – so braucht niemand auch nur einen weiteren Gedanken an derartigen Unsinn zu verschwenden.


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„Nichts dergleichen wird passieren“, holt er aus, um über sein kommendes Soloalbum „Songs About Girls“ zu sprechen. „Ich war noch in der Schule, als ich den Entschluss fasste, als Teil einer Crew aktiv zu sein – und das wird sich auch niemals ändern! Trotzdem war mir auch wichtig, ein paar Dinge für mich selbst auszuprobieren. Zu sehen, an welche klanglichen Orte mich meine Vorstellungskraft befördert, wenn ich auf mich allein gestellt bin.“

will.i.am hat in der vergangenen Dekade wesentlich dazu beigetragen, die Black Eyed Peas zu derjenigen Über-Gruppe zu machen, die sie heute sind: Weltweit haben sie über 18 Millionen Alben verkauft, zudem haben sie schon drei Grammys in Empfang genommen – und waren für sieben weitere nominiert. Die Peas bestehen, wie jeder weiß, aus vier Individuen. „Und ein Soloalbum von will.i.am ist und bleibt nun mal eine komplett andere Angelegenheit: Es ist eben kein Peas-Album.“

Dabei hat sich William James Adams, so will.i.am bürgerlich, im Alleingang schon längst einen Namen als Top-Produzent gemacht: Seit der Jahrtausendwende hat er u.a. mit Justin Timberlake, John Legend, Kelis, Nas, The Game, Mariah Carey, Whitney Houston, Michael Jackson, Sergio Mendes, Carlos Santana, The Pussycat Dolls, Busta Rhymes und seiner BEP-Kollegin Fergie gearbeitet. Die Tatsache, dass er sich inzwischen zu einem der gefragtesten Songschreiber und Produzenten entwickelt hat, war selbstverständlich auch ein relevanter Faktor, als er mit der Arbeit an seinem Soloalbum begann –, denn plötzlich hatte will.i.am nicht nur die ganze Leinwand für sich, sondern ihm stand auch eine randvolle Farbpalette, bestückt mit den größten Namen im Musik-Biz, zur Verfügung, um sein persönliches Bild zu entwerfen.

ABER: „Songs About Girls“ ist kein Album, das sich in erster Linie mit dem Können anderer Künstler schmücken will. So liest sich das Tracklisting auch nicht wie ein Auszug aus will.i.ams Telefonbuch.

„Ich hatte keine Lust darauf, ein Album zu machen aber zugleich nur zu sagen, `Hey, ich bin hier der Produzent und hier könnt ihr alle meine Freunde hören´“, erläutert er. „Stattdessen wollte ich sehen, was ich alleine auf die Beine stellen kann; ich wollte mein eigenes Ding durchziehen und ein paar Ideen umsetzen, die mir schon seit geraumer Zeit im Hinterkopf herumspukten.“

Es verwundert also kaum, dass „Songs About Girls“ ein experimentelles und in gewissem Sinne sogar abenteuerlustiges Album geworden ist, eine eklektische Reise um den gesamten Globus, in entlegene Klanggefilde, wobei ein Element sämtliche Stränge verknüpft: der Funk, die gebündelte Tanzbarkeit. Zugleich ist „Songs About Girls“ ein Konzeptalbum, dessen Geschichte auf absolut persönlichen Erfahrungen beruht. Während man das Album oberflächlich betrachtet vielleicht sogar als umfangreiche „Ode an die Frauen“ lesen könnte, ist es im Grunde genommen die Verhandlung einer konkreten Beziehung, die nach langer Zeit ein tragisches Ende nahm. „Das Album handelt von dieser einen Beziehung, über die ich im Nachhinein sagen muss, dass es mir wirklich leid tut, wie sie in die Brüche ging“, so will.i.am. „Es war meine Schuld, ich hab damals einfach die falschen Entscheidungen getroffen. Allerdings war ich zu jener Zeit auch noch verdammt jung, gerade mal an dem Punkt, ein Mann zu werden – und ich musste noch lernen, wie man Karriere machen und zugleich in einer Beziehung leben kann.“

„Songs About Girls“ erzählt die Geschichte eines gerade durchstartenden HipHop-Produzenten, der auf eine Frau trifft und sich sofort in sie verliebt. Doch dauert es nicht lange, bis der Producer-Protagonist von den Verlockungen, die mit seiner Karriere einhergehen, in den Bann gezogen wird – er gibt ihnen nach und verliert letztendlich seine Freundin wieder. Während er diese schmerzliche Erfahrung macht, lernt er – leider zu spät – das zu schätzen, was er einst hatte. „Die Frau, auf die ich mich in dieser Geschichte beziehe, die weiß ganz genau, dass sie damit gemeint ist. Schließlich reden wir hier von einer Beziehung, die sieben Jahre gehalten hat. Wir reden von der Frau, mit der ich zusammen war, als es gerade mit den Black Eyed Peas losging. Als wir noch ohne Geld dastanden. Sie nahm uns damals mit zu Open-Mic-Abenden; sie arbeitete bei Fat Beats [einem der wichtigsten HipHop-Läden in den USA]. Sie stand genau auf die Art von alternativem HipHop, auf die wir auch abgingen.“

So empfand will.i.am die Arbeit an „Songs About Girls“ in vielerlei Hinsicht als Therapie: „In der Arbeit am Album fand ich endlich einen Weg, mit einem Kapitel abzuschließen, das ich seit etlichen Jahren mit mir rumgeschleppt habe. Das alles hatte mir viel zu lange auf der Seele gelegen. Sicherlich habe ich in meinem Leben viele Fehler gemacht – und ich habe auch vielen Leuten wehgetan, die ich geliebt habe. Dabei bedauere ich die Fehler keinesfalls, denn aus ihnen habe ich lernen können, aber mich macht es traurig, wenn ich bedenke, wie vielen Leuten ich dafür wehtun musste.“

Jedoch erzählt und verarbeitet will.i.am mit „Songs About Girls“ nicht nur seine persönliche Geschichte, sondern er gestaltet sie um zu einem unglaublich dynamischen Soundtrack, der sich ohne Umschweife bei etlichen Stilen und Genres bedient – wodurch einem gleich beim ersten Anhören auffällt, wie verdammt waghalsig und, nun ja, fast schon unverfroren dieses Album eigentlich ist! Denn es ist weitaus mehr als eine HipHop-LP: Europäische Club-Sounds, treibende House-Versatzstücke, klassischen Soul und selbst brasilianischen Baile-Funk findet man hier genauso wie die erwartungsgemäß deftigen Beats. Lässt man sich auf will.i.ams Album ein, wird man im Handumdrehen von einer vielschichtigen Klangwalze überrollt. „Das Album besteht jedoch nicht aus Songs, die man so mit den Peas nicht hätte machen können. Es sind einfach nur Songs, die ich mit den Peas bis dato noch nicht gemacht habe,“ so will.i.am weiterhin. „Allerdings habe ich den einen oder anderen Style schon in einem Peas-Song angedeutet. Auf dem Album gehe ich noch ein gutes Stück weiter und eröffne uns zugleich neue Möglichkeiten, neue Richtungen, die wir dann in Zukunft gemeinsam einschlagen können.“

Ausgestattet mit einem absolut clubtauglichen Electro-Bounce und digitalen Sounds, die an frühe Videospiele erinnern, wird „I Got It From My Mama“ als erste Single erscheinen. Es handelt sich dabei um eine ausgesprochen lustige (und unbedingt unpolitische) Verhandlung der Gen-Thematik – oder genauer: Es geht darum, wie manche Mädchen ihr spektakuläres Aussehen vielleicht ihrer Mutter verdanken (und wie man das überprüfen kann). „Es ist fast schon so, als ob ich auswerten müsste, was im Kopf eines x-beliebigen Typen passiert.“

„Get Your Money“ ist ein minimalistischer Dance-Song, der auch vor rund 30 Jahren – sagen wir: 1978 – in einem hippen New Yorker Club funktioniert hätte; in diesem Fall sind es Electro-Klänge, die will.i.am mit einer Art Punk-Attitüde verknüpft. „Donque“ ist ebenfalls ein astreiner Club-Track im Electroclash-Gewand, wobei in diesem Fall auch Snoop am Mikrofon aushilft – er ist der einzige „Big Name“, der auf „Songs About Girls“ einen Gastauftritt hat. „Wenn man sich den Song anhört, mit dem Dance-Beat, dann würde man wohl niemals Snoop als Gast erwarten“, kommentiert will. „Ich rief ihn an und erzählte ihm von den Dingen, denen ich in Europa während unserer Tour begegnet war. Von diversen neuen Ideen, die mir da gekommen waren. Als ich ihm dann den Song vorspielte, wusste er genau, wovon ich gesprochen hatte – und war sofort dabei.“

Über dem karibisch-tropischen Beatgerüst von „One More Chance“ singt will.i.am schließlich sogar – ein Schritt, zu dem ihn letztendlich seine Kollegen und Freunde Common und India.Arie inspiriert haben. „Ich habe vor ein paar Jahren mal eine Show in Atlanta gespielt, und ich kann mich noch genau erinnern, wie ich eigentlich nur einen Freestyle hinlegen wollte, dann aber halb rappte und halb sang – es lag irgendwie dazwischen“, erinnert sich will. „India.Arie sagte daraufhin: `Du kannst ja richtig gut singen´, aber ich glaubte ihr natürlich kein Wort. Ich dachte, sie erlaubt sich einen Scherz. Und dann kam Common an und meinte, dass ich ein gutes Gespür für Melodien und Tonlagen hätte. Nach dem zweiten Kommentar hatte ich dann genügend Selbstvertrauen, um einen Song wie diesen aufzunehmen.“

Derartige Schritte auf kreatives Neuland – ohne Netz und doppelten Boden, ohne Scheuklappen – machen den Kern von „Songs About Girls“ aus. Zwar hatte will.i.am schon zuvor zwei Alben veröffentlicht – beides waren Producer-Alben auf BBE Records –, doch „Songs About Girls“ ist sein eigentliches Solodebüt, denn erst jetzt präsentiert er das gesamte Spektrum seines Könnens im Alleingang. Man kann deutlich heraushören, wie die Arbeit an diesem Album seinen Geist zu neuen Einsichten und auf neue Ideen gebracht hat. „Ich habe dabei wirklich gelernt, was man eigentlich alles machen kann. Was mit Musik alles möglich ist.“ Zudem hat will.i.am kürzlich einen Abstecher nach Brasilien gemacht, um einen Film zu „Songs About Girls“ zu drehen. Und schon jetzt hat er Pläne für ein weiteres Soloalbum, das dann als Soundtrack zum besagten Film fungieren soll. Und natürlich wird er sich schon bald wieder ins Studio begeben – dann aber gemeinsam mit apl.de.ap, Taboo und Fergie, um am nächsten Album der Black Eyed Peas zu arbeiten.

will.i.am zu alledem: „Von seiner Kreativität leben zu können, das ist wirklich eine unglaubliche Sache. Ich bin mehr als dankbar für diese Gabe. Und, ich meine, wie cool ist das bitte?!“


Diskographie

Songs About Girls

Album

A & M Reco (Universal)

I Got It from My Mama

Single

A & M Reco (Universal)

Heartbreaker

Single

Import (Megaphon Importservice)

Must B 21

Album

Bbe / Beat Gen

Lost Change

Single

Bbe / Beat Gen

It’s A New Day

Single

Universal






Artikel von: Redaktion Quelle: Universal Music Letztes Update: 18.04.2008








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