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D–Irie

D–Irie - Foto Copyright: Coming Soon...

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Viele in Deutschland, nicht zuletzt in Berlin, wären derzeit gerne Gangster. D–Irie dagegen hat man nie gefragt, ob er einer sein wollte. Das Leben, die Straßen von Berlin haben ihn einfach dazu gemacht. Eine Wahlmöglichkeit hatte er lange Zeit nicht.


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Biographie

Als der Sohn einer deutschen Mutter und eines Vaters aus Ghana 1981 in Berlin-Charlottenburg geboren wird, stehen seine Chancen nicht sehr günstig. Sein Vater, ein Reggaemusiker, schafft es nicht, den Lebensunterhalt für sich und seine Familie auf legale Weise zu verdienen. Also versucht er es auf anderem Wege. Die Folgen sind drastisch: Verurteilung, Gefängnis, Abschiebung. Für zwölf lange Jahre sieht D–Irie ihn nicht mehr. Seine Mutter ist somit alleinerziehend und muss ihren Sohn mit zur Arbeit nehmen. Später ist sie gezwungen, ihren Job aufzugeben, da der Junge an Leukämie erkrankt. Doch wie so viele andere harten Prüfungen des Lebens kann auch diese schlimme Krankheit ihn letztlich nicht aufhalten. Sie macht ihn nur stärker.
In der Schule ist er der einzige dunkelhäutige Schüler. Was das bedeutet, muss man niemandem extra erklären. Es ist also nicht weiter überraschend, dass sich D–Irie eher mit den Kids anfreundet, die ebenfalls fremd im eigenen Land sind. Und genauso wie viele andere nicht gerade vorbildlich integrierten Jugendlichen hat er bald nichts Gutes im Sinn. „Uns hat alles gefallen, was verboten war. Und wenn man jung ist, ist die Hemmschwelle sehr niedrig.“

Seine erste Straftat begeht Irie bereits mit 13. Er wird zwar erwischt, da er jedoch noch nicht strafmündig ist, hat sein versuchter Einbruch in einen Elektroladen keinerlei juristische Folgen. Also macht er weiter. Diebstahl, Raubüberfall, Einbruch und gefährliche Körperverletzung heißen die Stationen seiner kriminellen Laufbahn. Er will sich behaupten und muss das auch. Denn die Maxime „Der Klügere gibt nach“ besitzt auf der Straße keinerlei Gültigkeit. „Der Starke frisst den Schwachen“ kommt der Wahrheit um einiges näher. Und Irie will nicht gefressen werden. Also frisst er.
Cool oder gar glamourös ist das Leben auf der Straße hingegen überaus selten. Die weitaus meiste Zeit ist es anstrengend und voller Ungewissheiten. „Ich musste jeden Tag zusehen, woher mein Geld kam. Alles, wovon ich geträumt habe, war eine geregelte Zukunft.“

Rückblickend betrachtet war es also ein gnädiges Schicksal, das D–Irie 2001 mit zwei erfahrenen Draufgängern der Berliner HipHop-Szene zusammenführte: Big Sal, früher Rapper bei den Harleckinz und Crazy B, Breakdancer bei den Flying Steps. Durch ihren Einfluss entdeckt Irie, der früher schon gesprüht und gebreakt hatte, sein Talent zum Rappen.
Big Sal und Crazy B sind über 15 Jahre tief verwurzelt, sowohl im HipHop wie auf der Straße. Gemeinsam betreiben sie seit 2005 das Label Shok Muzik, das seinen Sitz im Berliner Stadtteil Wedding hat. Mit Shok Muzik wollen sie Rap aus Deutschland wieder dahin bringen, wo er herkommt und hingehört: Auf die Straße. Dabei beschränkt sich ihre Beziehung zu diesem mystisch aufgeladenen Ursprungsort und Bezugspunkt der HipHop-Kultur nicht wie bei anderen auf albernes Gepose oder Rumgefuchtel mit Waffenimitaten. Vielmehr leisten sie seit Jahren beharrlich und direkt vor Ort Sozialarbeit im eigentlichen Wortsinn. Statt weltfremder Kuschelpädagogik bieten sie den Kids lebensnahe, realistische Alternativen zum Hustle auf der Straße an. Zum einen mit kostenlosen Rap-, DJ-, Sprüh- und Breakdance-Workshops, die von den Jugendlichen begeistert frequentiert werden und sie schon allein durch den hohen Zeitaufwand davon abhalten, auf den Straßen Unsinn zu machen. Und zum anderen eben in Form von authentischen Vorbildern wie D–Irie, die genau wissen, wovon zum Teufel sie sprechen.

D–Irie ist zu intelligent, als dass er sich auf seinem gefährlichen Nimbus ausruhen würde. Im Gegenteil: Er ist dankbar dafür, dass ihn die Musik weg von der Straße gebracht hat. „Ich habe einen gewissen Background und gewisse Erfahrungen, die in meine Musik mit einfließen, aber ich bin Künstler. Jetzt soll die Musik für mich sprechen, nicht das, was ich früher gemacht habe.“ Gleichzeitig ist ihm bewusst, dass man im Leben nichts geschenkt bekommt. Das hat ihm die harte Schule, durch die er auf der Straße ist, unwiderruflich beigebracht. Hat er früher seine gesamte Zeit seinen illegalen Geldbeschaffungsmaßnahmen geopfert, so sitzt er heute praktisch 24 Stunden an sieben Tagen die Woche im Studio. Gute Rapmusik entsteht eben nicht, indem man die Füße hochlegt, sondern nur durch harte und konsequente Arbeit. Obwohl er beim Rappen wahrlich kein Blatt vor den Mund nimmt, liegt ihm nichts ferner als sinnlose Gewaltverherrlichung. „Aus meinen Texten kann sich jeder das ziehen, was er will. Geh diesen Weg wie ich und lande da, wo ich gelandet bin. Oder mach es anders und vermeide diese Konsequenzen.“ Das ist unzensierte Straßenreportage. D–Irie berichtet ehrlich, authentisch und ausgewogen von den Straßen Berlins. Und wer ihm dabei zuhören will, ist „Live Dabei“.







Artikel von: Redaktion Quelle: Warner Music Letztes Update: 07.05.2008








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