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Audioslave

Audioslave - Foto Copyright: Danny Clinch

Foto: Danny Clinch

Trug die Entstehungsgeschichte von Audioslave noch Züge der Erschaffung eines „Alternative Rock Frankensteins“ (bekannter, Band-loser Sänger tut sich mit berühmter, Sänger-loser Band zusammen), so führt das Monster mittlerweile ein munteres Eigenleben und lässt mit „Revelations“ diese Geschichte ein für allemal in den Rockgeschichtsbüchern verschwinden.


Verwandte Genres

Alternative Rock

Biographie

Das neue, dritte Audioslave-Album ist einerseits Ausdruck ungebremster Experimentierfreude und des Wunsches, eine neue Richtung einzuschlagen, andererseits ein Werk, das nur von Musikern stammen kann, denen das Wort „Stadiontour“ lange kein Fremdwort mehr ist. Zugegeben: Nicht alles auf „Revelations“ lässt sich zweifelfrei mit dem Etikett „Alternative Rock“ zuordnen, so beeindrucken einige Songs des Albums u.a. mit ungewohnten Rhythmuswechseln. Viele Gesangspassagen lassen sich mit Fug und Recht als soulful bezeichnen, einige Songs können mit der Vokabel funky zutreffend charakterisiert werden, andere wiederum sind gewohnt hymnisch – doch zusammen fügen sie sich zu dem, was Audioslave-Fans von ihren Helden zu Recht erwarten dürfen: Ein großartiges Rockalbum. Obwohl Audioslave erst seit fünf Jahren existieren und „Revelations“ gerade mal ihr drittes Album ist, zeugt ihre Arbeit von einer Reife, die man anhand dieser kurzen Zeitspanne kaum vermuten würde. In Wirklichkeit reicht die Audioslave-Geschichte natürlich mehr als zwei Jahrzehnte zurück und umfasst zwei Band-Stammbäume. Der eine hat seinen Ursprung in den frühen Achtzigern in der aufkeimenden Musikszene Seattles, wo Chris Cornell in seiner Highschool-Zeit bereits als Sänger und Frontmann die wegweisende Band Soundgarden anführte. Mehr als zwölf Jahre war er Mitglied der Gruppe, die fünf Alben und zahlreiche EPs veröffentlichte, bevor sie sich 1997 auflöste. In einer Umfrage des Senders MTV landete Cornell in der Hitliste der besten Sänger aller Zeiten knapp hinter Michael Jackson und vor Eminem.
Im Jahr 2001 schlug Produzent Rick Rubin Cornell vor, sich doch mit Rage Against The Machine zusammen zu tun, die ihrerseits im Jahr zuvor ihren Sänger verloren hatten. Rage hatten mit ihren vier Alben bewiesen, dass es durchaus möglich war, als erfolgreiche Rockband eine starke politische Aussage zum Zentrum der Agenda zu machen. Sie waren die einzige Band in der Musikgeschichte, der es gelang, die New Yorker Börse lahm zu legen (bei den Dreharbeiten zu einem Videoclip unter der Regie von Michael Moore bekamen die Börsianer Panik, es handele sich um Ausschreitungen). Ihr selbst betiteltes Debütalbum aus dem Jahre 1996 war ein Meilenstein, ein Werk, das die Selbstgefälligkeit der Musikindustrie und des gesamten damaligen Hardrock-Genres in Frage stellte. Mit ihren insgesamt vier Alben erarbeitete sich Rage Against The Machine den Ruf der Thinking Fan’s Hard Rock Band Nummer Eins. Es sollte sich herausstellen, dass Cornell und Rage-Gitarrist Tom Morello, -Bassist Tim Commerford und -Schlagzeuger Brad Wilk perfekt zusammen passten – der Gründung von Audioslave stand nichts mehr im Wege. Als sich die vier im Mai 2001 erstmals zusammen ins Studio begaben, schrieben sie innerhalb von nur neunzehn Tagen 21 Songs. Ihr Debütalbum „Audioslave“, das im November 2001 erschien, verkaufte sich weltweit mehr als fünf Millionen Mal. Der Longplayer brachte die Singles „Cochise“, „Like A Stone“ und „Show Me How To Live“ hervor, die allesamt über einen gewaltigen Sound verfügten, der aber gleichzeitig auch sehr intim zu klingen vermochte. Dies schien von Anfang an das gottgegebene Talent von Audioslave zu sein: Ihre Songs enthielten einerseits große Hooklines, gleichzeitig verströmten sie aber auch eine subtile Magie, die sich mit Worten kaum annähernd beschreiben lässt. Zu einem nicht unerheblichen Teil geht dies auf das Konto des Gitarren-Magiers Tom Morello, möglicherweise der einzige in Harvard ausgebildete Rocker, der jemals nackt auf einer Bühne beim Lollapalooza-Festival stand (zugetragen hat sich die Sache 1993 als Protest gegen Zensur). Auf „Revelations“ führt er nun seine stets innovative Arbeit fort – in einer Art und Weise, die gleichsam Kopf als auch Herz berührt. Auch Morello hat bereits seine Erfahrungen mit Best-Of-Polls: Der Rolling Stone listete ihn auf Platz 26 der „hundert größten Gitarristen aller Zeiten“. Diese Ehre erscheint umso mehr beeindruckend, wenn man sich vor Augen führt, dass er knapp hinter Freddy King und noch vor Buddy Gay rangierte – als einer der jüngsten Musiker überhaupt.
Auch Commerford und Wilk haben das Ihrige zu „Revelations” beigetragen, ganz speziell bei den Songs „Broken City” und „Original Fire”, zwei Audioslave-untypischen Uptempo-Stücken. Morello sagte jüngst in einem Interview: „Tim und Brad sind eine verdammt funky Rhythmuseinheit.“ Aber keine Angst: „Revelations“ ist ganz eindeutig ein Rockalbum, dessen zentrale Charaktereigenschaft – Vehemenz - die zwölf Songs zusammen hält. „Wenn du einen Arschtritt verpasst bekommen willst, bist du hier an der richtigen Adresse“, warnt deshalb Morello.
Produziert wurde „Revelations“ von Brendan O’Brien, dessen gemeinsame Geschichte mit Audioslave bzw. deren Mitgliedern einige Jahre zurückreicht. So mischte er nicht nur das letzte Audioslave-Album „Out Of Exile“, sondern auch 1994 das Soundgarden-Werk „Superunknown“, die beiden Rage-Against-The-Machine-Alben „Evil Empire“ und „The Battle Of Los Angeles“ entstanden unter seiner Regie. Die Sessions für „Revelations“ dauerten gerade mal fünf Wochen - kein Wunder, die meistens Songs hatten ihre Feuertaufe bereits bei diversen Konzerten hinter sich gebracht. 2005 veröffentlichten Audioslave ihr zweites Album „Out Of Exile“, das die US-Charts auf Position Eins enterte und sich weltweit mehr als zwei Millionen Mal verkaufte. „Out Of Exile“ enthielt mehrere Hitsingles, u.a. den Song „Doesn’t Remind Me”.
Der bis dato letzte offizielle Audioslave-Release war die DVD „Live In Cuba“, die ihren historischen Auftritt in Havanna dokumentierte – es war das erste Mal, dass eine US-amerikanische Rockband ein Konzert auf Kuba spielte.
Für Musiker, die sich soziales Engagement als essentiellen Bestandteil ihres Lebens begreifen - sowohl auf als auch abseits der Bühne - ist es selbstverständlich, auf einen Album wie „Reveleations“ politisch Stellung zu beziehen. So wie bei dem Song „Wide Awake“. Die vernichtende Abrechnung mit den Verfehlungen der Bush-Administration ist die Schnittstelle zwischen Herz und Seele des neuen Albums. Unter Verwendung der düsteren Bilder, die das Ende der Welt heraufbeschwören, zürnt Cornell dem Anführer, der „Leben für Öl eintauscht, als wenn die ganze Welt blind sei“. Angetrieben von Morellos mächtiger Gitarre und dem unerbittlichen Rhthmus-Duo Wilk/Commerford brüllt er: „I find you guilty of a crime of sleeping at a time when you should have been wide awake.” Worte, die direkt aus dem “Buch der Offenbarung” stammen könnten und die uns mit der stillen Hoffnung zurücklassen, es möge sich dabei nicht um eine apokalyptische Prophezeiung handeln.







Artikel von: Redaktion Quelle: SonyBMG Letztes Update: 05.06.2008








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