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Dixie Chicks

Dixie Chicks - Foto Copyright: Marc Seliger

Foto: Marc Seliger

„Es ist leichter, Lieder über andere Menschen zu schreiben”, sagt Natalie Maines. „Sich selbst zu öffnen, das Innerste zu zeigen, verletzbar zu sein, das ist schwer. Aber die Lieder, die auf diese Weise entstehen, sind so viel besser.“


Verwandte Genres

Country Rock Pop

Biographie

Mit „Taking The Long Way” legen die Dixie Chicks ihr bislang persönlichstes Album vor. Die Gruppe aus dem US-Bundesstaat Texas hat im Verlauf ihrer Karriere mehr Platten verkauft als jede andere „All Female“-Popband in der Musikgeschichte. Zum ersten mal hat die Band für das neue Album an allen vierzehn Titeln mitgeschrieben. Und jedes Stück, egal ob es sich mit privaten oder politischen Themen befasst, hat eine ganz besondere Tiefe. Für „Taking The Long Way“ arbeitete das Trio mit dem genreübergreifend hochgeschätzten US-Produzenten Rick Rubin (Johnny Cash, Red Hot Chili Peppers, Run DMC, Neil Diamond) zusammen.
„Diesmal war alles intimer“, sagt Maines. „Die neuen Stücke haben viel mehr Tiefgang, sind reifer und erwachsener als das, was wir früher gemacht haben.“ Der Einfluss von klassischen Rockbands wie den Eagles, Tom Petty And The Heartbreakers und The Mamas and The Papas ist auf „Taking The Long Way“ unüberhörbar. Ein entspannter Southern-California-Vibe blitzt unter dem vertrauten Dixie-Chicks-Sound hervor. Die Texte befassen sich mit der unverbesserlichen Engstirnigkeit mancher Kleinstädter („Lubbock Or Leave It“) oder der Psychologie des Berühmtseins („Everybody Knows“). „Uns ging es darum, thematisch eine Balance zu finden zwischen den verschiedenen Aspekten unseres Lebens“, sagt Emily Robison. „Es gibt einen roten Faden, eine Grundhaltung, die sich durch das ganze Album zieht – wir sind dreist, zielstrebig und riskieren etwas.“
Und die Dixie Chicks haben allen Grund, derart selbstbewusst aufzutreten. Sie sind nicht „erfolgreich für eine Countryband“ oder „erfolgreich für eine Frauenband“, sie sind schlichtweg erfolgreicher als nahezu jede andere Popgruppe auf diesem Planeten. Mit ihren Plattenverkäufen erreichten sie Mehrfach-Platin in Nord-Amerika, Europa und Australien. Nur eine Handvoll Künstler hat je überhaupt „Diamant“-Status erreicht (mehr als zehn Millionen verkaufte Einheiten) – den Dixie Chicks gelang das Kunststück in den USA gleich mit zwei Alben: „Wide Open Spaces“ (1998) und „Fly“ (1999). Sieben Grammys gab es obendrein. Dank ihrer einmaligen Bühnenpräsenz hat die Gruppe zudem Konzerttickets im Wert von 100 Millionen Dollar verkauft und unmissverständliche Stücke wie „Goodbye, Earl“ (in dem sich zwei Freundinnen eines gewalttätigen Ehemannes entledigen) stellten klar, dass dieses Erfolgs-Trio nur nach seinen eigenen Regeln spielt.
Und all das geschah, bevor sich Natalie Maines während eines Auftritts in London im März 2003 kritisch über US-Präsident George W. Bush äußerte, der wie die Band aus Texas stammt – und die Dixie Chicks damit unbeabsichtigt in völlig neue Dimensionen der medialen Aufmerksamkeit katapultierte. Mit dem folgenden öffentlichen Aufschrei – inklusive Boykotten und Todesdrohungen – befasst sich „Not Ready To Make Nice“, die erste Single von „Taking The Long Way“. „Dieser Song war uns sehr, sehr wichtig,“ sagt Robison. „Er ist autobiographisch und es musste einfach alles daran stimmen. Erst als wir das Stück komplett fertig hatten, konnten wir uns auf den Rest des Albums konzentrieren.“
Martie Maguire betont, dass alle drei Chicks durch die Erfahrungen nach dem „Zwischenfall“ gereift sind. „Ich fand heraus, dass ich tatsächlich bereit war, meine Karriere für etwas aufs Spiel zu setzen, an das ich glaube. Für Emily und mich wäre es einfach gewesen, Druck auf Natalie auszuüben und sie zu einer Entschuldigung zu bewegen. Ich war stolz, dass ich die innere Kraft besaß, es nicht zu tun. Nichts ist wichtiger, als für deine Überzeugung einzustehen.“
Die Band beendete ihre laufende „Top of the World“-Tour 2003 trotz der Auseinandersetzungen. Die gleichnamige Doppel-CD und -DVD dokumentieren die umjubelte Tournee eindrucksvoll. Mit der Konzertreise verdienten die Dixie Chicks mehr als je ein Country-Star in einem Jahr an Einkommen erzielte – 62 Millionen Dollar. Im folgenden Jahr schlossen sie sich der „Vote For Change“-Tour an, die sich im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 2004 formierte.
Als es dann wieder ins Studio ging, wusste die Gruppe, dass sie eine neue Richtung und neue Impulse brauchte. Das letzte Studioalbum „Home“ (2002) hatte bereits eine komplett andere Facette der Band gezeigt. Es hatte die akustischen Wurzeln der Dixie Chicks betont. Was konnte also der nächste Schritt sein? Die Chicks stießen schließlich auf Rick Rubin und stellten fest, dass jede von ihnen seine Arbeit schätzte und bewunderte. Groß war die Freude, als das Trio bei der Kontaktaufnahme erfuhr, dass Rubin seit Jahren ein glühender Dixie-Chicks-Anhänger war.
Die Aufnahmen begannen im Mai 2005 in Los Angeles und Maguire erinnert sich, dass Rubin sagte: „Ich finde, das hier sollte nach einer tollen Rockband klingen, die ein Countryalbum macht und nicht wie eine Countryband, die ein Rockalbum macht.“ Alles weitere war offen. „Es war eine komplett andere Arbeitsweise,“ sagt Maines. „Du musst lernen, dich zu entspannen und herum zu experimentieren. Wir wussten nur, dass wir etwas Neues ausprobieren wollten. Das war schon ein seltsames und beängstigendes Gefühl.“
„Ich wollte, dass sie sich von den Songs führen lassen“, sagt Rubin. „Ich hatte das Gefühl, die Mädchen hätten eine Menge zu besprechen und es wäre jetzt ein guter Moment. Es war wie der Anfang ihrer Karriere. Bis jetzt hatten die Fans sie auf einer sehr oberflächliche Art geliebt. Jetzt war der Moment gekommen, in dem die Menschen sie ernst nahmen. Mit einem mal wurden sie von einer Lieblingsband zu einer wirklich ernstzunehmenden Gruppe.“
Rubin stellte eine Band zusammen aus Chili-Peppers-Drummer Chad Smith, Larry Knechtel sowie Benmont Tench und Mike Campbell (Heartbreakers) und versorgte die Chicks mit Co-Autoren, darunter Dan Wilson (er hat an sechs Stücken auf „Taking The Long Way“ mitgeschrieben), Pete Yorn und Gary Louris von den Jayhawks. Rubin erinnert sich, dass die Songschreiber-Fähigkeiten der Gruppe sich vor seinen Augen ins schier Unermessliche steigerten. „Mit der Unterstützung der Co-Songschreiber schafften sie es, wirklich alles aus sich herauszuholen,“ sagt er. Die Ergebnisse decken inhaltlich ein denkbar breites Spektrum ab. „Silent House“ befasst sich mit dem Kampf eines älteren Verwandten mit Alzheimer. In „It’s So Hard When It Doesn’t Come Easy“ geht es um Unfruchtbarkeit, ein Thema, dass Robison und Maguire nicht fremd ist. „Ich denke, wir sollten da wirklich einige Mauern beseitigen“, sagt Maguire. „Das ist ein weitaus häufigeres Problem als viele Leute denken.“ Außerdem enthält das Album das Gospel-beeinflusste „I Hope“, das die Chicks zusammen mit Keb’Mo schrieben und das sie bei einer Spendengala im US-Fernsehen im vergangenen Jahr zugunsten der Opfer des Hurrikan Katrina gespielt hatten. Die exklusive Albumversion enthält außerdem ein grandioses Gitarrensolo von John Mayer.
Natürlich ging es bei den Dixie Chicks in den letzten Jahren nicht immer nur um politische Statements und staatsbürgerliches Engagement. Die Anzahl der Bandkinder – inzwischen sind alle drei Dixie Chicks Mütter – stieg seit der Veröffentlichung von „Home“ von zwei auf sieben. Ihr Familienleben inspirierte Stücke wie „Baby Hold On“ oder das zärtliche „Lullaby“, die das Trio als „Geschenke an ihre Kinder“ bezeichnet. „Unsere Truppe besteht zum größten Teil aus Kindermädchen“, lacht Robison und sie fügt hinzu, dass auch die Tourpläne sich durch die mitreisende Kinderschar verändern. „Wir sind länger auf Tour, aber dafür mit größeren Pausen zwischen den Auftritten.“
„Unsere Tour startet im Sommer und wird ein Jahr dauern. Wir werden schöne, altmodische Rock-Shows spielen“, sagt Maines. „Es soll um die Musik gehen und weniger um das Drumherum.“ Und sie ergänzt: „Wenn wir früher mal losrocken wollten, mussten wir immer auf Coverversionen zurückgreifen. Jetzt geht das auch mit unseren eigenen Stücken.“ Superstars, Querköpfe, Trendsetter, Heldinnen, Schurkinnen und Mütter – in den beinahe zehn Jahren ihres Bestehens haben sich die Dixie Chicks von einer Band in ein Phänomen verwandelt und sie sind längst eine Institution im US-amerikanischen Kulturbetrieb. Kein Wunder, dass das neue Album „Taking The Long Way“ nicht nur in den USA ungeduldig erwartet wird.
„Dieses Album war wie eine gründliche Therapie,“ sagt Natalie Maines. „Ich bin jetzt im Reinen mit mir. Diese Stücke zu schreiben war wichtig. Wir haben zum Ausdruck gebracht, was wir zu sagen haben. Das war notwendig, um überhaupt weitermachen zu können.“


Diskographie

Taking the Long Way

Album

Sony

Wide Open Spaces

Album

Sony

Home

Album

Sony

Fly

Album

Sony






Artikel von: Redaktion Quelle: SonyBMG Letztes Update: 09.06.2008








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