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The Hoosiers

The Hoosiers - Foto Copyright: Dan Burn Forti

Foto: Dan Burn Forti

Die Hoosiers sind zu dritt, doch das war nicht immer so. Bevor sie ihr drittes Mitglied fanden, waren sie ein Duo, und wiederum davor zwei, äh, Unos (?). „Das ist doch eine ganz einfache Rechnung“, erklärt Irwin Sparkes, der Anführer der Bagage, „und keine Raketen-Chirurgie“.


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Biographie

In der Tat. Denn was die Hoosiers zusammen ausbaldowern ist ganz einfach Musik. Jedoch nicht irgendwelche. Die Band selbst bezeichnet ihre Erzeugnisse liebevoll als Odd-Pop. Zu Deutsch: Merkwürdig-Pop. Und das ist nicht mal gelogen: Denn das, was man auf dem Debütalbum „The Trick To Life“ zu hören bekommt, ist ganz gewiss eigenartig. Doch es ist jederzeit Pop.
„Wir könnten uns nie und nimmer damit zufrieden geben, einen Song übers samstagabendliche Saufen zu schreiben“, meldet sich Bassist Martin Skarendahl zu Wort. „In der Phase, in der wir uns mit unserem Songwriting zur Zeit befinden, halten wir es aber auch nicht für angebracht, die Welt mit einem weiteren Liebeslied zu belasten“, fügt Irwin hinzu, der wie immer mehr als alle anderen zu sagen hat. „Ich habe in meiner Sammlung schließlich nicht nur Tapes aus einem Musikgenre“, ergänzt Alfonso Sharland (was zum Henker ist eigentlich aus den ganzen „Dave Smiths“ da draußen geworden???), der tragischer- oder großartigerweise (eine Minderheitsmeinung) an eine potenzielle genetische Zusammenführung von Dave Grohl und Mick Hucknall erinnert. „Ich hatte in meiner Jugend größere Ambitionen, als so zu sein wie The Cure, Jeff Buckley, The Flaming Lips oder XTC“. Das hindert die Hoosiers heute allerdings nicht daran, eben diese Bands und Künstler auf Anfrage allesamt als musikalische Einflüsse zu nennen. „Wir hatten nie das Gefühl, einfach nur ‚Brit-Pop’ oder so zu spielen. Das war ein großes Problem bei der Suche nach unserem eigenen Sound. Als wir Martin trafen, kamen wir überein, dass wir ein breites Spektrum mit unseren Songs abdecken wollten, nicht nur im 4/4-Takt verbleiben, denn manchmal fühlen wir uns einfach nicht danach.“ „Wenn wir schon verschiedene Seiten haben, dann sollten wir die auch zeigen, denn sonst würden wir ja nicht mit allen Karten spielen, die uns zur Verfügung stehen. Das wäre ja, als wenn man nicht durch beide Nasenlöcher atmen würde“, erklärt Martin. „Alle vier Seiten des Dreiecks zeigen?“ wirft Alfonso ein. Vier Seiten eines Dreiecks, das wie alle guten Bands begann: Als gute Freunde, die zusammen Musik machen wollen.
Alfonso und Irwin wuchsen am Rande von Reading auf und im zarten Alter von sechzehn Jahren erhielten sie einen der wichtigsten Hinweise für ihre Musikerkarriere aus einer nicht alltäglichen Quelle. „Wie kann man über das Leben schreiben, wenn man überhaupt noch nicht gelebt hat? Lebt erst einmal, dann schreibt darüber.“ Weise Worte aus dem Munde von Irwins Chemie-Lehrer, der in einem früheren Leben tatsächlich Schlagzeuger der Seventies-Popgruppe Sailor gewesen war (für weitere Informationen zu diesem Thema oder den Hits „Girls, Girls, Girls“ und „A Glass Of Champagne“ fragt bitte eure Eltern). Sie nahmen den Rat an und machten sich auf eine Reise durch Amerika. Im Verlauf des Trips kamen die beiden allerdings etwas vom Weg ab. U.a. verbrachten sie einige Zeit an der Universität von Indianapolis, nachdem man ihnen dort ein Sport-Stipendium (im Speziellen: Fußball) angeboten hatte. Eine durchaus kuriose Entwicklung, führt man sich vor Augen, dass sowohl Irwin als auch Alfonso heute behaupten, allergisch gegen „Laufen und Rennen aller Art“ zu sein.
„Nach einem Jahr gelebtes Leben im mittleren Westen von Amerika hatten wir genug. Irgendwas in uns machte ‚Klick’ und uns war klar, dass wir wieder nach Hause gehen mussten, um unsere Lieder rauszubringen. Ach ja: Und man bat uns, die Universität zu verlassen. Um die ganze Sache in London vernünftig an den Start zu bekommen, versammelten wir dann eine Top-Eliteeinheit aus ausgewählten Musik-Cracks“, erklärt Alfonso. Die Elitetruppe entpuppte sich letzten Endes als Martin Skarendahl aus Stockholm.
„Wir saßen in der Scheiße“, erinnert sich Al, „wir hatten ein Studio unterhalb von Brick Lane gemietet, zusammen mit einem Bassisten, der nicht mehr zu existierten schien. Er hatte uns ganz einfach im Stich gelassen. Und da führte uns eine göttliche Fügung mit unseren über Alles geliebten Skarendahl zusammen, ein Kerl mit strahlendem Blick und einem buschigen Schwänzchen. Er war uns als Studio-Assistent bzw. Engineer zur Verfügung gestellt worden und ich könnte schwören, er war von einem majestätisch gülden schimmernden Leuchten umgeben, als wir seine hässliche Fresse zum ersten Mal sahen.“
Doch Al and Irwin waren in Not. Sie brauchte einen Bassisten. Und so kam es, dass der schwedische Ex-Armee-Feuerwehrmann fortan einen wichtigen Platz in ihrem Leben einnehmen sollte. Den skandinavischen Neuzugang hatte es auf seiner Pilgerreise durch Europa über Oslo und Paris nach London verschlagen.
„Doch wo um alles in der Welt kommt ein solcher Bandname her?”, fragt man sich nun.
„Ein Hoosier ist ein Einwohner des US-Staates Indiana, die Kornkammer der USA; der Platz an dem wir uns wiederfanden, als wir uns fanden“, erklärt Al, der sich in der Rolle des Dozenten sehr gut gefällt. „Viele Hoosiers behaupten, nach Samuel Hoosiers um das Jahr 1825 benannt zu sein und dadurch einer von Hoosiers Männern zu sein – den tapfersten und am härtesten arbeitenden Männern überhaupt. Beschäftigt man sich jedoch etwas eingehender mit dem Thema, so findet man heraus, dass der Name eine Bastardisierung des französischen Ausdrucks für ‚Typen, die rumhängen und Leute aufhetzen’ ist und sich auf eine Gruppe von Leuten mit fragwürdigen Moralvorstellungen bezieht. Die Doppeldeutigkeit der Herkunft des Begriffs hat uns gefallen, obwohl letztere Bedeutung natürlich eher zu uns passt“, erklärt Alfonso.
Wenn man sich die Musik der Hoosiers anhört, so kann man darin Songs erkennen, in denen gelebt wurde. Stücke, die von den Riten berichten, die jeder auf dem Weg des Erwachsenwerdens durchmacht, und allen damit verbundenen wachsenden Ansprüchen, mit denen man klar kommen muss. „Wenn ich meine Zeit als Anfangzwanziger in einem Wort zusammen fassen müsste, würde ich sie als ‚ruhelos’ bezeichnen. Man probiert viele Dinge aus und stellt fest, dass sie keine Antwort bieten. Man ist auf der Suche und genau so sind viele unserer Songs. Das ist auch, was ich an Tom Waits, Thom Yorke, Tom Jones, den ganzen anderen großen T(h)oms mag: Da gibt es Herzschmerz. Es fehlt etwas. Und genau das spürt man in der Art und Weise des Songwritings, des Arrangements und der Interpretation.
„Es gibt in unserer Musik ohne Zweifel ein Grundthema“, fährt Irwin mit unvermindertem Enthusiasmus fort, „jemand fühlt sich unfertig und sucht nach etwas und hofft, dass das Etwas gleichzeitig auch nach ihm sucht. Die Songs ‚Worried About Ray’, ‚Sadness Runs Through Him’ und ‚Run Rabbit Run’ erzählen aus der Sicht eines machtlosen Charakters, der jemanden liebt, aber nicht die Kraft hat, diese Person zu retten. Er kann sie lediglich warnen und muss schließlich ertragen, mit anzusehen, wie sich die unheilvollen Dinge fortentwickeln.“
„’Worried About Ray’”, doziert Irwin, “behandelt die Idee, dass jeder irgendwann einmal jemanden, den er liebt, in Gefahr bringt. Man erinnert sich daran, von dem Sprichwort ‘the future’s out to get to you’ fasziniert gewesen zu sein.“ Dieser Idee entsprang schließlich auch der stetige Begleiter der Band, der unsichtbare Freund Ray - eine Figur mit eigenständigem Dasein, die in einem Märchenland lebt, das sie mit den drei Hoosiers teilt.
„Wir haben uns schon immer mit anderen Aspekten der Musik und ihrer visuellen Umsetzung beschäftigt. Unsere frühen Auftritte waren ein verwirrendes Tohuwabohu, bei dem wir mit digitalen Designs, Projektionen und programmierten musikalischen Intermezzi experimentierten“, sagt Martin.
Aus jenen Tagen stammt vermutlich auch ihre Vorliebe für Verkleidungen. Ein wöchentliches Reglement sieht für die Bandmitglieder z.B. einen strengen Mittwochs-Dresscode vor. Motto: „Komm auf keinen Fall als du selbst“ - anstatt dessen aber gerne als Superheld, Gnom oder, äh, Skelett. Wer’s nicht glauben mag, sollte einfach den Geschäftsführer ihres Labels fragen. Der wurde beim ersten Treffen mit seinen Neu-Signings von drei Gestalten in aufeinander abgestimmten, leuchtenden Skelett-Anzügen begrüßt.
Jetzt aber genug gespaßt – Zeit für das offizielle Fazit: Die Hoosiers sind eine Band, die vor Ideen und Energie nur so platzt. Ihr einzigartiger Odd Pop ist gleichermaßen erfrischend wie exzentrisch. Herzlich willkommen in der wunderbaren Welt der Hoosiers.







Artikel von: Redaktion Quelle: SonyBMG Letztes Update: 10.06.2008








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