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Radiopilot

Radiopilot - Foto Copyright: Felix Broede

Foto: Felix Broede

Gestaltungskraft. Inszenierungsgabe. Abgrenzungswille. Perfektionsdrang. Gute Songs. Keine Frage: Jede junge Band ist bestrebt, bei ihrer ersten Platte nach Möglichkeit keinen Fehler zu machen. Doch mit welcher Präzision die fünf Berliner Musiker, die seit 2006 unter dem Bandnahmen Radiopilot unterwegs sind, die Umsetzung ihrer musikalischen, stilistischen, visuellen und kommunikativen Idealvorstellungen betreiben, setzt Maßstäbe.


Verwandte Genres

Pop Rock

Biographie

Sicher, es mag in einer Stadt wie Berlin nicht zu den größten Problemen zählen, einen pfiffigen Jungdesigner zu finden, der aus einem schmalen Budget eine vorzeigbare Website schnitzt. Und irgendwer kennt ganz bestimmt einen up-and-coming Junior-Stylisten oder Nachwuchs-Fotografen. Kurz: 2007 ist es einfacher denn je, mit wenig Aufwand und ein paar Kontakten einen okayen Eindruck zu machen. Gerade in Berlin. Auch wenn die zu präsentierende Musik möglicherweise recht planlos auf einem geborgten Laptop mit Hilfe illegal gerippter Software zusammengeschludert wurde. Doch Radiopilot sind anders. Lukas Pizon, Rafael Triebel, Florian Büttner, Benjamin Steinke und Christoph Hengelhaupt haben nicht nur den Willen, etwas mit ihrer Musik zu bewegen, sie verfügen auch über die dazu notwendigen Skills. Und sie haben überhaupt keinen Nerv, sich bei ihrer selbsterwählten Aufgabe von Szene-Richtlinien die Arbeitsweise diktieren zu lassen. Unabhängigkeit ist ihnen wichtig. Und gerade deshalb unterschrieben die Fünf im August 2007 bei Columbia Deutschland, einem Label des Majors SONY BMG. Für Radiopilot kein Widerspruch. „Der Independent-Gedanke war ja ursprünglich mal, dass man machen kann, was man möchte“, erklärt Gitarrist und Songschreiber Rafael Triebel, „doch wenn man sich hier in Berlin die Szene anschaut, dann sind die Indie-Bands wesentlich verkrampfter als der Mainstream.“ Die Tendenz, im Zweifelsfall musikalischer Unzugänglichkeit den Vorzug vor ohrschmeichelnder Catchiness zu gewähren, bedeutet für den 22-jährigen eine wesentliche Einschränkung des ursprünglichen Indie-Freiheitsgedankens. „Wenn man hier in der Stadt zu anderen Bands sagt, man will mehr als tausend Platten verkaufen, wird man ausgelacht“, bestätigt Sänger Lukas. In den vergangenen Jahren konnte der 27-jährige beide Seiten kennenlernen. Als Mitglied diverser Indiebands in der Hauptstadt konnte er Erfahrungen sammeln, die der Band auf ihrem Weg zur ersten Veröffentlichung nützlich waren.
Neben den Studioarbeiten zum Debütalbum, für die mit Olaf Opal (The Notwist, Naked Lunch, Sportfreunde Stiller, Juli etc.) der absolute Wunschkandidat als Produzent gewonnen werden konnte, absolvieren Radiopilot im November eine umfangreiche Tour im Vorprogramm von Juli. Im Rahmen der IFA-Eröffnung hatten Lukas, Rafael, Florian, Benjamin und Christoph bereits Label-Kollegin und US-Superstar P!nk supportet. Anforderungen, die anderen Neu-Signings durchaus den Angstschweiß auf die Stirn treiben können, die fünf Radiopilot-Mitglieder jedoch vor kein größeres Problem stellen: In den Jahren vor dem Zustandekommen ihres Plattenvertrages hatte sich die Band immerhin mit maximalem Erfolg den Weg durch die namhaftesten Newcomer-Wettbewerbe (u.a. Emergenza, John Lennon Talent Award) gekämpft – und dabei zahllose Konkurrenten hinter sich gelassen.
Das beeindruckte auch die A&Rs der großen Plattenlabels, die sich nach dem Sieg beim „John Lennon Talent Award“ um die Unterschrift der Berliner bemühten. Dabei waren es nicht nur die Live- und Songwriting-Qualitäten, mit denen Radiopilot punkten konnte. Auch ein Statement von Lukas Pizon sorgte für reichlich Gesprächsstoff. „Wir schreiben Songs, weil wir verwirrt, wütend, enttäuscht, verlassen sind. Weil das Leben ungeahnte Wege einschlägt, die man nicht vorhersehen kann. Würden wir keine Songs schreiben, wären wir bestimmt wie die Anderen auf der Straße gelandet und würden heute noch Leute vermöbeln, weil wir wütend, enttäuscht und verlassen sind. Jeder braucht ein Ventil. Das ist das unsere.“ hatte der Sänger, Gitarrist und Songschreiber ins offizielle Bandinfo formuliert und damit bei dem einen oder anderen Beobachter für Kopfschütteln gesorgt. Die krawallige Aussage hatte so herzlich wenig mit den durchdacht arrangierten, brit-affinen Popsongs der fünf Hauptstädter gemein. „Es liegt uns am Herzen, zu polarisieren“, erläutert Lukas. „Man muss keine ein-zwo-drei-vier-Haudrauf-Mucke machen, um innere Notstände musikalisch umzusetzen. Wir sind eine Popband, diese Bezeichnung ist uns wichtig. Die Leute sollen ruhig ratlos zurückbleiben.“
Dass das Brechen von Klischees und Erwartungen für Radiopilot kein lapidarer Zeitvertreib ist, sondern Grundlage des bandeigenen Selbstverständnis’, zeigt sich in jedem Detail, das Radiopilot offenbaren. Es wird in der Art und Weise deutlich, wie sie sich auf der Bühne präsentieren, im Gespräch oder auch im Internet (www.radiopilot.de), wo die Band u.a. eines der skurrilsten Studiotagebücher der Musikgeschichte pflegte. Radiopilot machen neugierig. Verführen mit verlockend eingängigen Hooklines und Textpassagen, reißen bereits beim Erstkontakt die Aufmerksamkeit des Hörers an sich, der noch nicht ahnen kann, worauf er sich da eigentlich einlässt. Erst auf dem Debütalbum, das derzeit in Opals Mohrmann-Studio in Bochum entsteht und 2008 erscheint, wird deutlich, in welchen Dimensionen die Band denkt und arbeitet. „Wir wollen einerseits Stücke auf dem Album haben, die klingen, als hätte man sie beim ersten Durchspielen gleich aufgenommen, aber auch Riesen-Ästhetik-Werke, die klingen, als hätte man ein ganzes Jahr an einem einzigen Takt gearbeitet“, sagt Pianist Florian Büttner. Dass die Fünf den exakt richtigen Mann für die Aufnahmen im Boot haben, war der Band sehr schnell klar. Opal, der seine Studiokarriere Mitte der Neunziger mit Arbeiten für die Spermbirds und Boxhamsters startete und wenige Jahre später mit Liquido sein Chart-Debüt als Produzent feierte, war sofort Feuer und Flamme für die fünf Berliner. Nach einem ersten Treffen im Hamburger Kaiserkeller und einer zehntägigen Test-Session im Mai begannen die Aufnahmen schließlich im August 2007. Das Endergebnis, obgleich ein beherztes Jonglieren mit Genres und Soundästhetiken, soll nach dem Wunsch der Band nur eines sein: Ein großartiges Popalbum.


Diskographie

Monster/Premium

Single

Columbia D (Sony BMG)

Monster/Basic

Single

Columbia D (Sony BMG)

Monster

Single

SonyBMG

Leben passiert

Album

SonyBMG






Artikel von: Redaktion Quelle: SonyBMG Letztes Update: 18.06.2008








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