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Sandi Thom

Sandi Thom - Foto Copyright: SonyBMG

Foto: SonyBMG

Wenn die Debütsingle in sieben Ländern ein Nummer-Eins-Hit ist und sich das dazugehörige Album mehr als 700.000 Mal verkauft, darf man sich in der Regel aussuchen, wo und mit wem man sein nächstes Album aufnimmt.


Verwandte Genres

Pop Rock

Biographie

Sandi Thom hat ihr Debüt mit einem Mini-Budget in einer eiskalten Scheune in Cheshire aufgenommen. Wahrscheinlich, dass sie sich für das Nachfolgealbum ein bisschen mehr Luxus gönnt. Aber Sandi pfeift auf Musikbusiness-Automatismen. Ihr zweites Album „The Pink & The Lily“ hat sie komplett im Keller ihrer Wohnung in Tooting südlich von London aufgenommen.
„Ich bin gerne in meinen eigenen vier Wänden”, sagt sie. „Und ich mag es, alles unter Kontrolle zu haben. Ich möchte es gemütlich haben, mich entspannen können und mich nicht eingeschüchtert fühlen. Ich glaube, den Gesang habe ich fast ausschließlich im Schlafanzug aufgenommen. Ich bin aufgestanden, habe mir einen Tee gemacht und los ging’s. Es war toll, diese Freiheit zu haben.“ Sandi erlangte weltweite Bekanntheit durch ihre legendäre virtuelle Konzertreihe „21 Nights in Tooting“ – drei Wochen hat sie jeden Tag ein Livekonzert per Internet in die Welt hinausgeschickt, von genau dieser oben erwähnten winzigen Wohnung aus. Ihre erste Single war bereits auf dem Independent-Label Viking Legacy erschienen und das erste Album lag fertig in der Schublade, als die Medien auf Sandi aufmerksam wurden und die Major-Firmen plötzlich in ihrer Küche Schlange standen um sie unter Vertrag zu nehmen. Als ihre Single „I Wish I Was A Punk Rocker“ auf RCA wiederveröffentlicht wurde, schoss der Song direkt auf Platz eins der englischen Charts und trat von dort aus seinen Siegeszug in die Welt an. In Australien etwa hielt sich das Stück sensationelle zwölf Wochen auf Platz eins. Der Song war hauptsächlich a cappella gesungen, lediglich begleitet von Händeklatschen und einfachen Schlaginstrumenten. „I Wish I Was A Punk Rocker“ war eine der einprägsamsten Singles des Jahres 2006 und unterstrich Sandis kraftvolle Soul-Stimme und ihr herausragendes Talent als Songschreiberin. Das nachfolgende Album „Smile ... It Confuses People“ bewies eindrucksvoll, dass sie kein One-Hit-Wonder war. Sandi Thom ist nicht nur eine herausragende Songschreiberin sondern auch eine großartige Musikerin.
Sandi ist zwar erst sechsundzwanzig, doch sie tritt schon seit mehr als zwölf Jahren live auf. Sie wuchs in Macduff, einem kleinen Fischerdorf an der Nordostküste Schottlands auf und ihre Tante Nelly brachte ihr mit vier Jahren das Klavier spielen bei. Mit vierzehn spielte Sandi in einer Coverband namens The Residents in Bars, auf Hochzeiten und auf Parties. Als Bandbus diente ein streng riechender geliehener Kleinbus, in dem in der Woche Fisch transportiert wurde.
Vier Jahre später schrieb sie sich am „Liverpool Institute for the Performing Arts“ ein, wo sie ihre spätere Tourmanagerin Lizzie Brown, den Gitarristen Marcus Bonfanti und den Schlagzeuger Craig Connet kennenlernte. In den folgenden Jahren sang sie in einem Gospelchor, gründete eine Reihe von Bands, landete einen ersten Plattendeal, schrieb hunderte von Stücken und arbeitete als Studiosängerin – wo sie ihre Produzenten Jake Field und Duncan Thompson kennen lernte.

Dass alle diese Menschen heute noch zum Kreis ihrer engsten Vertrauten zählen, sagt mehr über Sandi als seitenlange Biografien. Und als es darum ging, das zweite Album aufzunehmen beschloss sie, auf das zu bauen, das ihr wichtig und vertraut war – ihre Band, ihre Produzenten und ihr Keller, der als Übungsraum diente seit sie nach London gezogen war.
„Dieser Ort ist voller Erinnerungen”, sagt sie. „In vielen Liedern geht es um die Ereignisse des vergangenen Jahres. Es war inspirierend nur dort zu stehen, diese Stücke zu singen und darüber nachzudenken, was in diesem Raum schon alles passiert ist. Es ergab alles einen Sinn.“
Im letzten Jahr hat Sandi Thom eine Reihe spektakulärer Shows gespielt. Im Vorprogramm von George Michael trat sie vor 35.000 Menschen auf, in Frankreich sang sie vor 25.000 Zuschauern, sie spielte beim V Festival (die Melodie zum Stück „The Pink & The Lily“ schrieb sie dort im Tourbus kurz vor ihrem Auftritt) und beim Fuji Festival in Japan und absolvierte unzählige eigene Konzerte in ganz Europa. „Ich bin Live-Musikerin und ich liebe es, mir den Arsch abzuspielen“, sagt sie fröhlich. „Es kam noch nie vor, dass mir ein Gig keinen Spaß gemacht hat. Es ist das größte Vergnügen, wochenlang mit deinen besten Freunden unterwegs zu sein und vor Publikum aufzutreten.“
Natürlich flossen die Erfahrungen des Tourlebens auch in die neuen Stücke ein. In „Shape I’m In“ geht es darum, dass man sich bei einem Auftritt immer in Bestform zeigen sollte, egal wie geschafft man in Wirklichkeit ist. „There’s Only One Saturday Night In Every Week“ ist eine Song gewordene Warnung ihres Managers, es beim Feiern im Tourbus nicht zu übertreiben.
Die Stücke auf „The Pink & The Lily” sind auffallend nostalgisch und beschwören immer wieder Erinnerungen an längst vergangene, vermeintlich unbeschwerte Zeiten. Sandis Eltern trennten sich, als sie sechs war, ihr Stiefvater verließ die Familie zehn Jahre später. Wann immer es in der Familie Streit gab, übernahm Sandi die Rolle der Vermittlerin und versuchte, die Wogen zu glätten. „Ich musste schnell erwachsen werden und das war manchmal schwer. Ich denke, darum spinne ich mir gerne eine hübsche kleine Traumwelt zusammen, in der alles unschuldig und schön ist.“
Sie singt über die goldenen Zeiten des Films („The Last Picture House in Town”), wirft einen Blick zurück in ihre Kindheit („They Don’t Make Mirrors Like They Used To“) und ärgert sich über das schlechte Fernsehprogramm („Remote Control Me”), prangert vorgezeichnete Karrierewege an (das folkige „Success’s Ladder“) oder thematisiert die Erderwärmung und ihre bedrohlichen Folgen („Devil’s Beat“). Eines der persönlichsten Stücke ist die Country/Soul-Ballade „Wounded Heart“, die sie ihrem Freund und langjährigen Wegbegleiter Jake Field widmet.
„Jake und ich sind jetzt zwei Jahre zusammen und es ist das erste Mal, dass ich in einer Paarbeziehung das Gefühl habe, dass es eine gemeinsame Zukunft gibt. Ich bin oft sehr verschlossen. Ich bin eine von denen, die in der Vergangenheit verletzt worden sind und sich jetzt nicht mehr öffnen wollen aus Angst wieder verletzt zu werden. Das alte Dilemma. Und es ist das einzige Stück auf dem Album, in dem es nur um mich geht.“
Sandi hat eine sympathisch altmodische Idealvorstellung ihres Berufs und sieht sich in der Tradition von Songschreiberinnen wie Joni Mitchell, Chrissie Hynde, Sheryl Crow und Alanis Morissette. Alles integre Musikschaffende. Sie sagt: „Für mich geht es immer zuerst um die Stücke selbst und erst später darum, wie man sie einer breiten Öffentlichkeit vermitteln kann.“
Die neuen Stücke sind vielschichtig, komplex, voll von üppigen Streichern, echten Bläsern, interessanten neuen Sounds und unaussprechlichen Schlag- und Rhythmusinstrumenten, aber sie haben nichts von ihrem rauen, direkten, authentischen Gefühl verloren. Das melancholische „Ungrateful Heart“ etwa wurde in nur einem Take aufgenommen. „Ich hatte an dem Tag einen Mordskater aber das war in Ordnung, ich konnte ja zuhause bleiben. Ich ließ mich im Halbschlaf auf einen Stuhl fallen und sang einfach los. Ich finde, das ist eines der besten Stücke, die ich je aufgenommen habe. Auch wenn der Gesang ein bisschen heiser klingt.“
Und der Titel des Albums? Der wurde inspiriert von einem Pub in Buckinghamshire namens The Pink & The Lily. Mister Pink und Miss Lillie waren vor über hundert Jahren ein Butler und ein Zimmermädchen in einem Herrenhaus, die ihre Anstellung unehrenhaft verloren, nachdem sich herausstellte, dass sie gemeinsam ein uneheliches Kind gezeugt hatten. Unbeeindruckt vom Dorfklatsch eröffneten die beiden einen Pub, in dem sie ihr gemeinsames Kind großzogen – The Pink & the Lily. Eine romantische Liebesgeschichte, die Sandi sehr inspirierend fand. „Ist das nicht schön? Die beiden machten das Beste aus ihrem Leben, egal, wie sehr sich die anderen das Maul zerrissen. Sie waren verliebt, und das war alles, was zählte. Kann ich verstehen. Mein Album ‚The Pink & The Lily’ zu nennen ist meine Empfehlung an alle da draußen, immer ihrem Herzen zu folgen.“







Artikel von: Redaktion Quelle: SonyBMG Letztes Update: 25.06.2008








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