A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z 0-9


Westlife

Westlife - Foto Copyright: Nino Munot

Foto: Nino Munot

Auch nach fast zehn Jahren im Musikbusiness weigern sich Westlife nach wie vor beständig, den vorgezeichneten Weg einer typischen Boyband zu gehen. „Sind wir überhaupt noch eine Boyband? Ich habe keine Ahnung“, sagt Nicky Byrne.


Verwandte Genres

Pop

Biographie

In der Regel gilt, dass eine Boyband nach maximal fünf Jahren implodiert und Platz macht für das Nachfolgemodell. Westlife zu beerben ist allerdings keiner Mitbewerber-Formation gelungen. Westlife gab es schon, bevor überhaupt irgendjemand etwas gehört hatte von britischen Pop-Acts wie SClub7, B*Witched, Blue, Girls Aloud, Atomic Kitten, Busted, Misteeq, McFly oder Liberty X, von denen die meisten längst wieder in der Versenkung verschwunden sind. Als funktionierendes Pop-Phänomen existieren Westlife doppelt so lange wie Take That vor ihrer ersten Trennung und dreimal so lange wie Wham! bei ihrem Abschied für immer.
Einer der Gründe für die Langlebigkeit der Gruppe ist die Fähigkeit, Musik zu veröffentlichen, die immer wieder zielsicher mitten ins Herz eines dankbaren, von der Musikindustrie allzu oft vernachlässigten Pop-Publikums trifft. Eingängige, unkomplizierte Songs, die selten vom zeitlosen und bewährten Strophe/Refrain/Strophe/Refrain/Middle-Eight/Refrain-Schema abweichen. Ein anderer Grund ist, dass sich hier vier eigenständige Persönlichkeiten gefunden haben, die konzentriert und ausdauernd an einem Strang ziehen.
Westlife haben sich unbeirrt ganz nach oben gekämpft und es mit Disziplin und Ehrgeiz zur nach den Beatles und U2 kommerziell dritterfolgreichsten Popband der britischen Inseln gebracht. Ungenierten Pub-Abstürzen sind sie trotzdem nie abgeneigt und manchmal wirken sie wie eine entfesselte Abordnung rotzfrecher Neuntklässler, vor allem wenn Mark Feehily sich über ein bestimmtes Spice Girl auslässt. In solchen Momenten ist es schwer zu glauben, dass dieses irische Chaos-Quartett zu den erfolgreichsten Popstars gehört, die die britischen Inseln je gesehen haben.
Wer ist das also, Westlife? Ihre Popularität steht außer Frage. Weihnachten 2006 gelang es der Gruppe aus einem von den britischen Medien hochgeschaukelten und im Vorfeld auf Kosten der Band hämisch kommentierten Veröffentlichungs-Wettstreit als Sieger hervor zu gehen. Das Westlife-Album „The Love Album“ erschien zeitgleich mit Alben von U2, den Beatles und Oasis. Alle drei Konkurrenzbands waren mit aufwändig gestalteten Greatest-Hits-Alben scheinbar auf der sicheren Seite – und doch triumphierten am Ende Westlife mit ihrem federleichten Lovesongs-Coveralbum. Natürlich hätte man mit der Veröffentlichung bis zum eigentlich passenderen Valentinstag warten können. Aber Westlife schätzen die Herausforderung und haben keine Angst vor großen Namen.
Kompromisslose Ehrlichkeit und belastbare Männerfreundschaften sind ein weiteres wichtiges Element des Erfolgs von Westlife. Nicky sagt: „Wir orientieren uns an Bands wie den Rolling Stones oder U2, reife Kerle, die schon ewig dabei sind. Wenn man jahrelang zusammen tourt und auf engstem Raum zusammenlebt, kennt man sich irgendwann in- und auswendig. Wenn irgendeiner von uns geheime Pläne hätte, wüssten wir das. Keiner von uns will einen Solovertrag. Die Band steht für alle an erster Stelle. Wir haben immer gesagt, dass wir anders sind als die anderen. Wir haben auch schwierige Zeiten durchgemacht, in denen alles nur noch an einem seidenen Faden hing. Besonders als Bryan ging, keine Frage. Aber wir haben uns zusammengerauft und haben trotzdem ein tolles Album gemacht. Das hat uns als Band den Arsch gerettet. So eine Band muss von innen her zusammenhalten. Sobald das Fundament rissig wird, merkt man das auch von außen. Das Publikum durchschaut es sofort, wenn man Harmonie vorspielt wo keine mehr ist.“
Kian drückt es noch einfacher aus: „Der Grund warum es uns immer noch gibt ist ganz einfach: Kommunikation. Es gibt keine Tabus. Wir sagen uns was wir denken, keiner hält sich zurück.“ Westlife sind schon jahrelang ganz oben dabei und können es sich erlauben, jedes Jahr ein paar Monate am Stück frei zu nehmen. Als Entschädigung, wenn man so will, für die Anfangsjahre in denen es nur eine einzige magere Woche Urlaub pro Jahr gab, die dann zwangsläufig hoffnungslos vollgestopft wurde mit wichtigen privaten Terminen.
Mark findet die punktuellen Auszeiten unverzichtbar: „Ich habe vor einigen Jahren ein Haus gekauft, in dem es noch viel zu tun gibt. Ich wohne in Sligo, in Irland, auf dem Land. Es ist wichtig, das Tempo zwischendurch herunter zu fahren. Jedes Mal wenn ich länger zu Hause bin, wird mir klar, wie leicht man sich von dieser verrückten Popstar-Welt vereinnahmen lässt. Es tut gut, einen Schritt zurück zu treten und loszulassen. Das Musikgeschäft ist unersättlich. Es ist schön, nach Hause zu kommen und zu spüren, auf was es wirklich ankommt im Leben. Ich erlebe das immer wieder wenn wir eine längere Pause einlegen. Eine Zeit lang abzutauchen schadet nicht. Man kehrt als stärkere Persönlichkeit zurück.“
Und wie es aussieht, auch als leistungsfähigere Band. Während der letzten Auszeit hat jedes Bandmitglied sein Privatleben in vollen Zügen genossen. Nicky wurde Vater von Zwillingen („die atemberaubendste Erfahrung, die ein Mann machen kann“). Shane schaute seiner zweijährigen Tochter beim groß werden zu („erstaunlich“) und verbesserte sein Golf-Handicap („fast genauso erstaunlich“). Kian hat sich zusammen mit seiner Freundin, der Schauspielerin Jodi Albert, ein Haus in der Nähe von London gekauft, hat in seiner irischen Heimat, dem Surferparadies Sligo, eine Saftbar namens The Monkey Tree eröffnet und es ansonsten „im Pub ordentlich krachen lassen“. Und Mark werkelte zusammen mit seinem Lebensgefährten Kevin in seinem neuen Haus. Eigentlich kein Wunder, dass die neue Sammlung von Songs den Titel „Back Home“ trägt.
Das Quartett ist stolz auf die jüngste Veröffentlichung. Das Westlife-Label um die prominenten UK-Branchengrößen Simon Cowell und Louis Walsh (dem Westlife-Entdecker und Mentor Walsh sind alle vier herzlich zugetan, was sie nicht davon abhält, ihn gelegentlich vor laufender TV-Kamera auf die Schippe zu nehmen) hatte sich eigentlich wieder ein reines Coveralbum gewünscht, doch die Band blieb hart. „Back Home“ ist für alle das bisher stärkste Westlife-Album. „Es steht für genau das, was wir sind“, sagt Shane. „Das Album wird uns als Band wieder ein Stück weiter nach vorne bringen.“ Die Gruppe arbeitete auf speziellen Wunsch der Bandmitglieder mit neuen Produzenten zusammen wie Steve Mac, Quiz/Larossi, Per und David, Jorgen Elofsson und Maratone (Rami, Antor & Savan), der Sound wurde modernisiert und die hübschen Anzüge und Boyband-Stehhocker sind fürs Erste eingemottet. „Aber es ist immer noch Popmusik. Kein Elektropop, kein Poprock“, sagt Mark. „Wir wissen, was wir können – und wir lieben es.“







Artikel von: Redaktion Quelle: SonyBMG Letztes Update: 27.06.2008








⇑ TOP Impressum

© copyright 2005 - 2016 RadioW Internet & Rundfunk Radio