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Will Young

Will Young - Foto Copyright: SonyBMG

Foto: SonyBMG

“Ich will eigentlich nicht, dass die Leute wissen, wer ich bin. Ich will nicht darauf reduziert werden, der ‚neue George Michael’ zu sein, oder ‚der Typ, der diese Reality-TV-Show gewonnen hat’, oder ‚der Mick Hucknell des neuen Jahrtausends’ oder welcher Blödsinn sonst noch so verbreitet wird.


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Pop

Biographie

Ich bin ganz einfach ich selbst und es geht mir einfach darum, etwas Selbstvertrauen an den Tag zu legen und die Lautstärke aufzudrehen.“ – Will Young, in einem Café in Nähe der Themse, November 2005.
Schnallt euch an: Will Young ist zurück – selbstbewusster und zufriedener mit seiner Musik denn je zuvor. In nur vier Jahren gelang es dem Sänger, zwei BRIT-Awards abzusahnen, vier UK-Nummer-Eins-Hits und zwei Nummer-Eins-Alben zu landen und seine letzte Tour innerhalb von nur dreißig Minuten auszuverkaufen. Seine erste Single war die sich-am-schnellsten-verkaufende Debütsingle eines männlichen Künstlers in England aller Zeiten. Mit 27 Jahren ist der Junge aus Hungerford/Berkshire gerissener, witziger, selbstbewusster und erwachsener. Er weiß mittlerweile sehr genau, wie Fernsehen, Klatsch-Kultur und die Pop-Vermarktungsfabrik funktionieren. Doch all diese Dinge sind von Natur aus zweidimensional. Will Young ganz bestimmt nicht.
Er wundert sich heutzutage auch nicht mehr, warum Menschen eine vorgefertigte Meinung darüber haben, wer oder was ihm zu gefallen hat. „Bestes Beispiel: Ich war beim Red Hot Chili Peppers Konzert. Da kommt dieser Fan zu mir und sagt, völlig schockiert: ‚Will Young! Was machst DU bei einem Chilis-Konzert?’ Ich sagte nur: Ich höre die Chilis schon mein ganzes verdammtes Leben!’ Das war ein sehr bezeichnendes Erlebnis – die Leute sind der Meinung, dass mir so etwas nicht gefallen darf“, lacht Will.
In letzter Zeit war er damit beschäftigt, einen erbitterten Kampf auszufechten. Einen Kampf gegen sich selbst und allen voran mit den Stimmen, die ihm immer wieder ins Ohr flüstern: „bleib bei den Balladen“. Die erste Single, die in seiner englischen Heimat aus seinem dritten Album ausgekoppelt wurde, trug den Titel „Switch It On“ und klang wie eine derbe Party, die ungestüm aus deinen Lautsprechern poltert. Die Drums sind völlig durchgeknallt, das Arrangement funky wie Sau und der Gesang klingt ungewohnt rau und kehlig. Es ist, im allerbesten Sinn, ein völliges Durcheinander – und definitiv LAUTER als alle bisherigen Will-Young-Sachen.
„Wir haben eineinhalb Jahre an dem Song gearbeitet“, erklärt er. Das heißt aber nicht, das Young und seine Mitstreiter die ganze Zeit ununterbrochen daran herumschraubten und tüftelten, sie hatten einfach nur ständig neue Ideen, wie sie „Switch It On“ noch verrückter, dreister und brillanter (brillant im Sinne von „blendend“) machen konnten.
„Switch It On“ wurde schließlich Wills trotzige Antwort auf das „Gefühl, sich ziemlich scheiße zu finden“ und auf das Image, das von ihm in der britischen Öffentlichkeit dargestellt wurde. „Ich spürte, dass ich nicht ehrlich zu mir selbst war. Es gibt im Song die Zeile: ‚I’m in a three-piece suit and shoes that don’t fit me’. Das zielt auf die ganzen Leute, die einen immer in irgendwelche Kategorien pressen wollen. Und denen sage ich: ‚Fuck off!’ Ich habe mich in London umgeschaut und all diese unechten Leute gesehen, die von dem Gedanken besessen sind, wie andere Menschen sie sehen. Ich war selbst von dem Gedanken besessen, wie andere Menschen mich wohl sehen. Ich fühlte mich, als hätte ich meine Seele verloren. Es war, als wenn ich wieder 17 Jahre alt wäre und zum größten Teil lag das an meinem Job…“
Doch diese Zeiten sind vorbei. „Ich habe mich ‚weiterentwickelt’, ha ha“, lacht er und malt fette Anführungszeichen in die Luft, weil er genau weiß, wie aufgeblasen dieses Wort klingt. Doch trotzdem ist es wahr. „Es ist doch für jedermann offensichtlich, dass ich jetzt mit etwas aufwarten wollte, dass genau das demonstriert.“ Das neue Album trägt den Titel „Keep On“ und einer der Schlüsselsongs darauf ist das Titelstück, das an den lasziven Groove des George-Michael-Klassikers „I Want Your Sex“ erinnert. „Keep On“ und die Single „Switch It On“ kommen aus der gleichen musikalischen Ecke. Man könnte den Ort vielleicht als „Explosion in einer Gute-Laune-Fabrik“ umschreiben. Es sind Songs, die klingen, als könnten sie jede Sekunde über einer schwitzende Meute auf dem Dancefloor eines urbanen Nightlife-Hotspots zusammenbrechen und unter sich begraben. Doch mitnichten: Sie drehen rechtzeitig ab und machen sich sicheren Schrittes auf in neue, aufregende Gefilde.
„Wir haben einfach nicht groß darüber nachgedacht, das war der Schlüssel. Darum sind die Songs so gut. Denn vielleicht“, sinniert Young, „haben die Leute ja auch ein bisschen die Schnauze voll von Songs. Ein ‚gut geschriebener Song’ ist toll, keine Frage. Aber es gibt heutzutage so viele davon, dass man beim Hören fast den Komponisten denken hören kann: ‚Okay, und hier haue ich ihnen den Refrain nach vierzig Sekunden rein, das kommt gut im Radio’ …das hat dann aber keinen ‚Soul’! Ich bin irgendwann zu dem Schluss gekommen, dass ich das einfach nicht kann.“
Doch natürlich kennt sich Will Young mit “gut geschriebenen Songs” bestens aus. Er hat ja schließlich eine ganz passable Karriere aus diesem Know-How gemacht. „Leave Right Now”, die erste Single aus seinem 2003er-Album “Friday’s Child”, war faszinierend, prachtvoll und exquisit. Allen Zweiflern hatte dieses Lied nachdrücklich vor Augen geführt, welch außergewöhnlich talentierter und beseelter Sänger Young eigentlich ist. Das Lied trug mit dazu bei, dass sich „Friday’s Child“ in Großbritannien über 1,5 Millionen Mal verkaufte und im Jahre 2004 wurde der Eg White, der Komponist von „Leave Right Now“, mit dem begehrten „Ivor Novello Award“ in der Kategorie „Best Song Musically And Lyrically” ausgezeichnet.
Und auch auf „Keep On“ gibt es wieder einen „gut geschriebenen Song“. Er trägt den Titel „All Time Love“. Es ist eine elegante Ballade, die sich wochenlang in den Top 5 der UK Charts hielt und mittlerweile neben „Leave Right Now“ in der Rubrik „moderner Standard“ geführt werden muss. Young sang den Text in nur einem Take ein – er weiß eben verdammt gut, wie man so was machen muss…
Alle gültigen PR-Regeln sträflich missachtend gibt er zu, dass es in seinem Umfeld Stimmen gab, die partout wollten, dass „All Time Love“ seine Comeback-Single würde. Doch Will sagte „nur über meine Leiche“ und beharrte auf seinem Standpunkt. „Es war einfach an der Zeit, etwas anderes zu machen, etwas mit mehr Kick, etwas, dass ein bisschen mehr Aussage hat. Ich fühle mich einfach völlig anders als vor zwei Jahren, ich habe andere Dinge zu sagen und ich denke, ‚Switch It On’ hat das gut gezeigt. Es sah zunächst nach einem aussichtslosen Kampf aus, den Song als erste Single durchzusetzen, aber das macht mir nichts aus – wenn man dazu gezwungen ist, zu rechtfertigen, was man macht, dann kann man daran auch selbst ablesen, ob man wirklich daran glaubt. Und ich wurde wirklich dazu gezwungen, zu zeigen, dass ich an diesen Song glaube.“ Der Erfolg gab ihm schließlich recht: „Switch It On“ platzierte sich Ende 2005 souverän in den Top 5 der UK Charts.
Ungefähr zur gleichen Zeit, als „Switch It On“ entstand, begann er mit den Dreharbeiten an seiner ersten Rolle als Schauspieler in Stephen Frears’ Film „Mrs Henderson Presents“. Es ist die Geschichte einer Mädchen-Tanztruppe im Vorkriegs-London. Er spielt einen Choreographen und Tänzer, an der Seite von Filmgrößen wie Bob Hoskins und Dame Judi Dench. Im Film hat er die Gelegenheit, das Jerome Kern/Oscar Hammerstein-Stück „All The Things You Are“ zu singen, das Frank Sinatra sich einst zu Eigen machte.
Die ganze Erfahrung stärkte sein Selbstbewusstsein (er hätte schon immer gerne als Schauspieler gearbeitet, hatte bislang aber lediglich an der Universität von Exeter kurz Bühnenluft geschnuppert) und offenbarte ihm eine völlig neue, kreative Welt abseits der Musik. Gleichzeitig öffnete sie seine Ohren für neue Ideen für das neue Album. Er scharte eine Gruppe frischer Songwriter um sich, dazu die renommierte Streicher-Arrangeurin Anne Dudley, und brachte sie mit dem Songwriting-Team zusammen, dass er für „Friday’s Child“ aufgebaut hatte - Lipson, White, Karen Poole (ehemals Alisha’s Attic), Blair Mackichan – um an einigen wirklich… lebhaften Songs zu arbeiten.
„Think About It“ ist eines seiner Lieblingsstücke. „Es ist ziemlich temperamentvoll, und dann kommt ein Refrain, der alles auseinander reißt.“ Zusammen mit Dan Carey (der auch Kylie Minogues „Slow“ komponiert hatte) schrieb er „All I Want“, „einen großartigen, psychedelischen Sixties-Song, der ziemlich rough klingt“. Mit Mackichan (mit dem er die soulige Gospel-Single „Your Game“ vom „Friday’s Child“-Album verfasst hatte) schuf er „Ain’t Such a Bad Place To Be”, „noch so ein roughes Ding. Ich bin wirklich nicht Mr. Tough oder so“, schmunzelt er, „aber es musste diesmal schon etwas härter sein.“
Er wollte auch Songs mit etwas mehr emotionalen Biss auf dem Album haben. „Ich hatte eine ziemlich unangenehme Zeit letztes Jahr“, erzählt er, „aber in dieser Phase habe ich einige ziemlich gute Melodien geschrieben, die irgendwie hängen geblieben sind. Ich weiß auch nicht, aber vielleicht muss man selbst schlecht drauf sein, um glaubwürdige, wahrhaftige und ehrliche Arbeit abzuliefern.“ Zusammen mit Nitin Sawhney schrieb er „Home“, einen Song, der auf persönlichen Erfahrungen basiert. „Es ist ein wundervolles Lied, der Text ist wunderschön… Er handelt von Entschlossenheit, von etwas, dass so ist, wie es sein muss, dass dann aber nicht zwingend auch eine gute Sache ist.“
„Weißt du”, sagt er achselzuckend, „ich habe immer Songs über Liebe gesungen und wenn ich ehrlich bin, ich habe sie nicht verstanden. Aber jetzt, da ich ein bisschen mehr gelebt habe, etwas mehr vom Leben gesehen habe, war es, als wenn ich meine Sonnenbrille abgenommen hätte und mir bewusst wurde: ‚Ach, darum geht es also…’ Ich habe plötzlich so viel mehr in Filmen oder Gemälden, in Theaterstücken und Musik gesehen und erkannt. Ich hatte eine Offenbarung. Einen ‚Jetzt hab ich’s kapiert!’-Moment. Es ist nur sehr schade, dass man solche Augenblicke nur erlebt, wenn einem sehr weh getan wurde.“
Es ist an der Zeit, den wahren Will Young kennen zu lernen. Er isst keine Leber. Er leidet zuweilen unter Klaustrophobie. Er überhitzt leicht. Und er weiß genau, wer er ist.







Artikel von: Redaktion Quelle: SonyBMG Letztes Update: 27.06.2008








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