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Sam Sparro

Sam Sparro - Foto Copyright: Alex Lake

Foto: Alex Lake

Nur ganz, ganz wenigen Künstlern gelingt es, die Grenzen der Musikwelt zu sprengen und sich mit ihrem Werk ins kollektive Bewusstsein zu brennen – und somit Teil der Popkultur zu werden. Kaum einer ist kreativ genug und bringt genügend musikalisches Talent mit, um das zu schaffen. Sam Sparro ist einer von ihnen.


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Pop RnB Jazz

Biographie

Gleichermaßen von Jeremy Scott und Gareth Pugh, von SWV und Hot Chip beeinflusst, kann man sich dem Bann des 25-jährigen Globetrotters kaum entziehen. Allein seine Stimme: einfach nur groß, gewaltig, voluminös und in jeder Tonlage bewandert, klingt Sam mal dreist und mal geduckt, deckt alles ab von nachdrücklich-tief über (be)sinnlich bis, nun ja, bis hin zu einfach nur unglaublich schön. Wer das Wort „Soul“ im Jahr 2008 definieren will, wird bei der Beschreibung wohl kaum um seinen Namen herumkommen. Sam ist nicht nur ein Meister der Melodien, er weiß auch ganz genau, wie eine unwiderstehliche Killer-Hook gestrickt sein muss. Schon ein flüchtiges Anhören seiner neuen Single „Black and Gold“ dürfte genügen, um das zu belegen.
„Black and Gold“ klingt intelligent und poetisch zugleich, dazu absolut neu und so eindringlich, dass sein Sound trotz der Innovationen auch die Massen anspricht. „Ich dachte eigentlich, dass keiner meine Musik verstehen würde. Aber die Leute gehen voll drauf ab. Ich war ehrlich gesagt vollkommen fassungslos“, sagt Sam, der neben unzähligen MySpace-Fans und Bloggern auch Mark Ronson, Pete Tong, Annie Mac, Jo Whiley und Zane Lowe zu seinen Anhängern zählt. Sie alle schätzen an seiner Musik, dass er einen unverwechselbaren und absolut ungewöhnlichen Sound kreiert. Indem er Einflüsse aus diversen Jahrzehnten und Genres zu einem schlüssigen Ganzen verwebt, gelingt es ihm, seinen eigenen Trademark-Sound zu definieren. Und wer jetzt mit umständlichen Bindestrich-Kreationen à la „Electro-Funk-Soul-Pop“ ankommt, der wird seinem Sound noch längst nicht gerecht.
Allerdings haben wir es hier nicht nur mit einem musikalischen Allrounder und Multiinstrumentalisten zu tun, der seine Songs komplett im Alleingang schreibt, arrangiert, produziert und einspielt bzw. -singt, denn obendrein ist Sam auch ein waschechter Entertainer und einfach nur eine verdammt „coole Sau“. Seinen Style kann man vielleicht als Mischung aus London-Glam-Faktor und Pariser Fashionista-Attitüde à la Jean-Charles De Castelbajac beschreiben – irgendwie schrill, aber dann doch ironisch gemeint und alles andere als steif. Doch geht die Liste der kreativen Spielwiesen, auf denen er sich austobt, noch weiter: Sam entwirft für jede Veröffentlichung sein eigenes Artwork, präsentiert mit seinen YouTube-Videos immer wieder lustige Einblicke hinter die Kulissen und ist jedes Mal zur Stelle, wenn es darum geht, eine verlassene Fabrikhalle mit seinen DJ-Sets in eine wilde Partynacht zu verwandeln. Oh, eins noch: Gerade erst hat er mit „Songs Not Bombs“ ein bombastisch-eklektisches Mixtape veröffentlicht, auf dem er seine eigenen Tracks mit einem bunten Mix aus Snoop, Soul II Soul, Montell Jordan und M.I.A. vergrätscht... noch Fragen?
Kommen wir zu seinem Stammbaum, denn auch der hat’s in sich: Sams Urgroßvater war Musikprofessor (!); sein maltesischer Großvater spielte u.a. für Frank Sinatra und einen anderen „Sammy“ Trompete: Sammy Davis Jr. nämlich! Sams Großmutter hingegen singt und tanzt auch heute noch, während sein Vater, Chris Falson, ein bekannter Gospel-Sänger ist. „Ich weiß, ich weiß, wenn man das Wort Gospel hört, denkt man an eine große, laut klatschende Truppe – und vor allem würde man einen schwarzen Sänger erwarten! Aber mein Vater ist eher so der Folk-Typ in Gospel-Kreisen“, sagt er lachend. „Stell dir Bob Dylan als Gospel-Sänger vor, und du hast eine ungefähre Ahnung, wovon ich spreche.“ Nach einer überaus kurzen Karriere als auf McDonald’s-Werbungen spezialisierter Kinderstar, konzentrierte sich Sam schon bald auf das „Kerngeschäft“ seiner Familie: Er sang zu jedem Anlass, gerne auch laut (LAUT!) und aus voller Brust heraus. Während er rückblickend u.a. Gospel zu seinen frühen Gesangseinflüssen zählt, begeisterte er sich auch schon sehr früh für italienischen House und britischen Soul. Würde nicht in seiner Geburtsurkunde stehen, dass er in Sydney zur Welt kam, und würden wir nicht wissen, dass er größtenteils in Los Angeles aufgewachsen ist – man könnte meinen, wir hätten es hier mit einem Europäer zu tun! Schon als kleiner Junge war Sam ein Fan von Soul II Soul, Kraftwerk, Grace Jones, Sade und Neneh Cherry; und einer seiner liebsten Euro-Dance-Hits war „Ride On Time“! „Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Platten einen sehr starken Einfluss auf meinen Gesang hatten“, gesteht er. „Ich sang die Hits von Black Box, Whitney und C&C Music Factory mit, und irgendwann ist diese voluminöse Stimme daraus geworden.“ Als seine Familie dann mit dem 10-jährigen Sam im Gepäck nach L.A. übersiedelte, begann die zweite Phase seiner Stimmausbildung. Sein Vater sollte eine Gospel-Platte aufnehmen, und er nahm seinen Sohn kurzerhand mit in die Kirche in Tujunga (im Norden von L.A.), wo sich die bekanntesten Sängerinnen und Sänger des Genres versammelt hatten. Dort lernte Sam die McCrary-Familie kennen, allesamt unfassbare Gesangsgrößen, die schon mit Michael Jackson und Whitney Houston im Studio gewesen waren. Eines Tages, als seine Familie mal wieder bei Howard McCrarys Familie zu Gast war, kam ganz zufällig eine gewisse Dame namens Chaka Khan vorbei; eigentlich wollte sie nur eine Tasse Tee trinken. Einer der Anwesenden fragte sie, ob sie sich nicht vorstellen könnte, ein neues Gospel-Stück aufzunehmen, und Sam meldete sich sofort freiwillig, um Frau Khan das Stück vorzusingen. Chaka Khan, bekanntermaßen eine Legende des Soul, fiel noch vor dem Refrain die Kinnlade herunter.
„Verdammt“, rief sie, „der weiße Junge kann ja singen!“
Damit war das Fundament für alles Weitere gelegt: Sam konzentrierte sich nun komplett auf die Musik, ging mit einer Gospel-Gruppe auf Tour und komponierte in seiner Freizeit erste eigene Songs. Außerdem half er den McCrarys von nun als Background-Sänger und bei Demo-Aufnahmen. Er ging für eine Weile nach Sydney zurück, doch machte er sich schon kurze Zeit später auf nach London, denn das war schon immer die Stadt seiner Träume gewesen. Sam war nämlich felsenfest davon überzeugt, dass er in der britischen Metropole reich und berühmt werden würde –, und so schrieb er weiterhin fleißig an neuen Songs und tat auch sonst das, was man in London so tut: Er ging auf Partys und besuchte Gigs in Brixton, Soho und East London. Nach und nach wurde er so zu einem festen Teil der britischen Musikszene...
Irgendwann brach er die Zelte in London jedoch ab und kehrte nach Los Angeles zurück, wo er in den sauren Apfel beißen und in einem kleinen Café jobben musste. Doch hatte auch das sein Gutes: Schließlich schrieb er in dieser schwierigen Phase den existentialistisch angehauchten Song „Black and Gold“. „Ich wusste echt nicht mehr weiter“, erinnert er sich. „Ich hatte keinen Plan. Während meine Hände einen Capuccino nach dem anderen zubereiteten, war ich im Kopf ganz woanders: Ich wollte einfach nur auf der Bühne oder im Studio stehen und singen. Der Track entstand, als ich eines Abends in den Sternenhimmel schaute und mir klar wurde, dass ich nur ein völlig unbedeutendes kleines Staubkorn in diesem Universum bin.“ Doch hob sich Sams Stimmung wieder, als ihm irgendwann klar wurde, dass es im Untergrund von Los Angeles eine umtriebige Szene gibt, die eher mit London zu vergleichen ist, als mit dem, was man sonst so vom Sunset Boulevard mitbekommt. Und als sein Vater dann die grandiose Idee in die Runde warf, man könne doch bei David J von Bauhaus einen wöchentlichen Abend im Loft veranstalten und bei dieser Gelegenheit auch Live-Musik spielen, war Sam natürlich sofort dabei: Die Gäste sollten in entspannter Atmosphäre, bei Drinks und Speisen vom Büffet, neue Songs von Leuten wie Sam oder Tom Morello (Rage Against The Machine, solo als Nightwatchmen unterwegs) präsentiert bekommen. Während einer dieser Loft-Sessions lernte Sam dann Jesse Rogg vom Label Modus Vivendi kennen. Schwer von Sams Coverversionen von Bill Withers oder Chaka Khan beeindruckt, wollte Rogg sofort mehr hören und mit ihm Arbeiten. Bald darauf unterzeichnete Sam dann einen Vertrag bei Roggs ultracoolem Indie-Label.
Womit wir schon fast im Hier und Jetzt wären: Vor ca. einem Jahr veröffentlichten die Jungs eine EP auf Modus, um zu sehen, wie die Leute darauf reagieren. Binnen kürzester Zeit klopften unzählige Label an und bekundeten ihr Interesse, und Mark Ronson schickte Sam eine Mail, in der er gestand, wie sehr „Black and Gold“ es ihm angetan hatte. Vor wenigen Wochen ging der Hype dann auch in Großbritannien los, als diverse DJs von BBC Radio 1 den Track auf ihre Playlisten nahmen... Doch all das ist nur ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird.
„Ich bin eigentlich ein ganz normaler Typ; jemand, der gerne singt, sich gerne schräg anzieht, der gerne lacht und eigentlich nur mit allen gut auskommen will“, sagt Sam. „Ich möchte, dass die Leute durch meine Musik den Alltagstrott für einen Augenblick vergessen können. Sie sollen sich dadurch besser fühlen als sonst. Die Welt ist nämlich gar nicht so gewöhnlich und trist, wie die Leute einem das immer einreden wollen. Wenn die Songs dazu beitragen, dass man seinen bescheuerten Job, die ganzen Rechnungen und die Beziehungsprobleme mal ausnahmsweise für eine halbe Stunde vergessen kann, dann habe ich etwas erreicht. Das würde mich schon sehr glücklich machen.“
Man muss wahrscheinlich sehr, sehr lange suchen, um etwas an Sam zu finden, das ihn nicht noch liebenswerter macht. Er ist cool, kreativ, ein lässiger Querdenker, der Neuland betritt und den Sound von Morgen schon heute prägt und definiert. Sam Sparro wird mit seinem musikalischen Händchen definitiv auf Gold stoßen. Am besten sichert man sich schon jetzt seinen Platz in der vordersten Reihe.


Diskographie

Sam Sparro

Album

Universal Music






Artikel von: Redaktion Quelle: Universal Music Letztes Update: 10.07.2008








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