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Cham

Cham - Foto Copyright: Warner Music

Foto: Warner Music

In Jamaikas Musikszene, in der der Konkurrenzdruck bekanntlich extrem hoch ist, wird an jedem Tag ein neuer Star geboren - und verschwindet genau so schnell wieder. Aber schon seit Mitte der Neunziger steht Baby Cham für allerbesten Dancehall-Reggae. Jede seiner Veröffentlichungen führt neue Sounds ein, neuen Slang und aktuelle Berichte aus dem Ghetto, die sich auf dem Dancefloor ausbreiten.


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Reggae Dance

Biographie

Aber Vorsicht: man darf CHAM nicht mit dem ähnlich klingenden Flipmode Squad-Member verwechseln, auch wenn dieser dann und wann ein paar Rhymes von sich gibt. CHAM wird mit „C“ (wie in Champagner) geschrieben und hat es geschafft, mit seinem athletischen Look und seiner vollen Bariton-Stimme eine Reihe von Hits zu kreieren, die zeitlos sind und bleiben. CHAM ist seiner Zeit länger voraus als jeder andere DJ im Spiel. Und mit dem Release seines lang erwarteten Albums Ghetto Story macht er sich daran, dem Genre Dancehall ein neues Niveau zu geben.

In Kingston, Jamaika, aufgewachsen, hatte der junge Damian Beckett, genannt CHAM, wirklich seinen Anteil an rauen Zeiten, die er auf seinem Weg von Sherlock Crescent bis Waterhouse durchleben musste. Seine Liebe zur Musik war noch größer als sein Talent zum Fußballer und so widmete er sein Leben seit seinen frühen Teen-Tagen der Entwicklung seines Könnens am Mikrophon. Er arbeitete schon immer eng mit der Mad People Gang, auch bekannt als Madhouse Productions, zusammen und schuf in diesem Rahmen eine ganze Reihe von Hardcore-Klassikern wie Many Many, Boom Tune und Man&Man, die auf seinem 2000er Debütalbum Wow: The Story gesammelt wurden. „Das Album öffnete gleich einen ganzen Haufen Türen,“ erklärt CHAM rückblickend. „Aber gleichzeitig wurden auch wieder eine ganze Menge Türen geschlossen. Wir hatten den fettesten Track im Dancehall, aber zur selben Zeit behauptete die Industrie ‚Dancehall darf dies nicht’ und „Dancehall darf das nicht’.“

Alle Zweifel zerstreuten sich durch CHAMs Crossover-Hit Vitamin S, ein big bouncender Bedroom-Breaker, der auf dem Beat des unwiderstehlichen Fiesta-Riddims tanzte. Der Tune sprang aus den jamaikanischen Sound Systems in die Radios und Clubs in aller Welt und erledigte so die Frage, ob der Dancehall aus Kingston die Welt noch bewegen könnte. CHAM unterschrieb bei Atlantic, und seine Story fing erst an.
Statt fürs liebe Geld schnell und billig irgendeine CD zusammenzukloppen, nahmen sich CHAM und Madhouse-Mastermind Dave „The Stranger“ Kelly genug Zeit um sicher zu stellen, dass das neue Album auch einen neuen Standard schafft. Als kreative Kraft hinter Alben wie „Bogle“ von Buju Banton, „Action“ von Terror Fabulous & Nadine Sutherland und „Dude“ von Beenie Man & Ms. Thing, durchblickte Kelly die Studio-Magie, die CHAM an den Tag legte. Und so entwickelte das Team diese seltene Chemie, wie sie z.B. von Dre und Snoop bekannt ist, nur eben im Dancehall-Kontext. „Ich und er, wir klicken,“ so CHAM. „Wenn wir zum Beispiel schreiben und er ein Wort sucht, hab ich es gefunden, bevor er es ausspricht.“

Die Inspiration für die Tracks ziehen sie aus dem täglichen Leben in ihrer problemgebeutelten Heimat, und vor diesem Hintergrund schufen CHAM und The Stranger das Meisterwerk Ghetto Story. Es kam Ende 2005 heraus - mit über 1600 Mordopfern das blutigste Jahr in der Geschichte Jamaikas. Das Album wurde im Inselstaat sofort zum Klassiker: CHAMs Erzählungen von der Straße, seine scharfsinnigen politischen Analysen und seine emotionale Anteilnahme auf Ghetto Story bringen all den Schmerz und die Verluste auf einen Punkt. „Man kann nicht sagen, dass wir zur Gewalt aufrufen,“ erklärt CHAM. „Es sind Erinnerungen, um die es geht. Und wenn ich in einer besseren Gegend aufgewachsen wäre, dann hätte ich auch bessere Erinnerungen.“

„Ich sag jeden Morgen, Mittag und Abend Danke an Gott,“ so CHAM. „Und ich muss ihm jeden Tag Danke für alles was passiert sagen. Für alles Üble, alles Gute, die Ups, die Downs, satt, hungrig, für jeden einzelne Moment, den du hast, musst du dankbar sein. Denn wenn das alles nicht wär, hätte Ghetto Story nicht entstehen können.“

Ghetto Story glorifiziert die Gewalt nicht, aber verdammt sie auch nicht. Ghetto Story untersucht die Wurzeln hinter der chronischen Brutalität, die Jamaika seit einem Vierteljahrhundert plagt. „Und wenn du genau hinguckst, ist es auch nicht nur Jamaika,“ sagt CHAM. „Wenn du den Film City of God siehst, dann siehst du: In Brasilien dasselbe. Wenn du New Jack Ctiy anguckst: New York dasselbe. Boyz N Da Hood: L.A. dasselbe. Und das hört nicht auf, wenn wir uns nicht darum kümmern. Es ist ein Teil unserer Geschichte, und die muss man erzählen, damit wir wissen, wer wir sind und wo wir hingehen.“

Wenn CHAM in den letzten Monaten nicht damit beschäftigt war, an seinem Album zu arbeiten, dann fand man ihn in verschiedenen Kollaborationen mit Mario, Nina Sky und M.I.A., aber sein eigentliches Ziel ist klar: Den Begriff Madhouse zu einem Markenzeichen zu machen. „Wir wollen, dass es das größte Ding da draußen wird. Wir brauchen Madhouse, damit wir einen Namen haben wie Bad Boy oder Rocafella oder G Unit.“
Sechs Jahre nach Wow: The Story hat sich die Musiklandschaft komplett verändert. Nie vorher haben die Sounds auf Jamaika so viel internationales Airplay und Respekt bekommen. Die Welt scheint bereit für die raue Seite Jamaikas zu sein, und genau zur richtigen Zeit kommt CHAMs Ghetto Story. „Gott Vater ist der Boss,“ stellt CHAM fest. „Denn, yo, alles kommt zusammen wie’s muss.“

„Es gibt Songs für jeden,“ schaltet sich The Stranger ein. „Unser einzige Problem war es, uns einzuschränken. Es gibt Player-Songs wie Bring It On, das einen neuen Sänger aus Chitown featuret, der Majic heißt. Es gibt auch entspannte Songs wie Boom Boom und Rude-Boy-Tracks wie Tic Toc. Da gibt’s Zwischenspiele, die zum Nachdenken bringen, wie Thoughts Of A Citizen. Mit anderen Worten: das Album ist sick. Aber die größte Wirkung wird der Titelsong Ghetto Story haben, der sich in die Musik-History spielen wird...“

Egal, in welches Ghetto man reinschaut - man wird immer Tragödien und Triumph finden, verlorenes Leben und gewonnenes Glück, epische Geschichten, die jeden Tag passieren, völlig unsichtbar für die meisten wohlhabenden Bürger in der Stadt. Ja, da sind Millionen Stories im Ghetto. Und CHAM betont immer wieder, wie wichtig es ist, die Ghetto Story zu hören. „Es gibt so viel Kids im Ghetto, die ihre Story gern erzählen würden. Und wir haben unser Medium. Also ist es unsere Pflicht, die Stories zu erzählen und dafür zu sorgen, dass jemand sie hört.“


Diskographie

Ghetto Story

Album

Atlantic (Warner)

Ghetto Story [Vinyl LP]

Album

Import (Megaphon Importservice)

Ghetto Story [UK-Import]

Single

Import (Megaphon Importservice)






Artikel von: Redaktion Quelle: Warner Music Letztes Update: 24.07.2008








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