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Notorious B.I.G.

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Ein kurzer Augenblick reicht – und das ganze Leben ändert sich. Niemand versteht diese Worte besser als ein echter Die-Hard-HipHop-Fan. Im sich ewig ausbreitenden Universum des Rap reicht ein Lidschlag und die gesamte Landschaft hat sich verändert. Vom Streetstyle über die Mic-Flows bis zu den Künstlern – nichts ist für die Ewigkeit. Im Falle des Brooklyn-Boys, den die Welt unter dem simplen Namen B.I.G. kannte, kam ein solcher Wechsel viel zu früh. Und die tödliche Kugel, die Notorious B.I.G. am 9. März 1997 traf, veränderte das Leben all jener, die ihn liebten – Familie, Freunde, Fans


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Hip-Hop Rap

Biographie

Wie die Single Hypnotized, die zum Zeitpunkt seines Todes durch die Radiowellen waberte, hält B.I.G. uns bis heute in seinem Bann. Seine phantastisch brutalen Songs klingen noch immer frisch und sind eine Inspiration für eine ganze Generation. Drei Bücher sind bis zum jetzigen Zeitpunkt über sein kurzes Leben geschrieben worden, und eine ganze Reihe von TV-Spots bringt mit seinem Image ihre Produkte nach vorn. All das macht unmissverständlich klar: die Welt vermisst Notorious B.I.G. noch immer.

Als dunkelhäutiger Buddha von einer 25-jährigen Lehrerin am 21. Mai 1972 zur Welt gebracht, wuchs der junge Christopher Wallace in New York auf, dessen Niedergang gerade begonnen hatte. Von seinem Schlafzimmerfenster aus konnte das Einzelkind alle Krankheiten einer Gesellschaft beobachten, die offensichtlich keine Zukunft hatte. Auf den verbrechensgesättigten Straßen von Bedford-Stuyvesant, übersät von zitternden Junkies und leerstehenden Gebäuden, sollte der zukünftige B.I.G. zum ersten Mal jene verzweifelten Leben und lachenden Augen sehen, die später seine straßengeschmiedeten Texte füllen sollten.

Auf seinem Weg vom glücklichen Baby über den störrischen Teenager bis hin zum knallharten Mann, begegneten ihm zwei Dinge, die sein Leben für immer verändern sollten: Rap und Crack. Während ihn das erstere reich und berühmt, machen sollte, war es das zweite – das er verkaufte aber nie rauchte – das ihm seine mit allen Wassern gewaschene Phantasie verschaffte. Aber obwohl viele Kritiker versuchten, ihn in die „Gangsta-Rapper“-Schublade zu stecken, ist die Wahrheit viel komplizierter.

Auf seinen beiden Studio-Alben Ready To Die (1994) und Life After Death (1997), die er vor seinem frühzeitigen Tod aufgenommen hatte, schuf er Texte, die Bed-Stuy als einen fortlaufenden Zyklus von Chaos, Paranoia und Gewalt beschrieben. Aber anders als die Geschichten von Drogen und Waffen, die die West-Coast Gangbangers als „Thug Life“ besangen (wie das Tattoo auf dem Bauch von Biggies früherem besten Freund Tupac sagte), waren Biggies Texte immer gleichermaßen voller Lachen und Weinen.

Wie die klassischen Ghetto-Autoren Iceberg Slim und Donald Goines, deren Bücher auf der Leseliste absolut jeder Ghettoratte standen, hatte BIG keine Angst davor, seine menschliche Seite zu zeigen. In einer kurzen, aber kometengleichen Karriere, die Biggie „from ashy to nasty to classy“ brachte, formte der ehemalige Bed-Stuy-Bulle den Sound des New Yorks City Raps auf eine Art um, wie es das nicht mehr gegeben hatte, seit KRS-One in der South-Bronx abhing, LL in Queens rockte und Kool Moe Dee durch den „wild wild west“ von Harlem stapfte.

Die heruntergekommene „Friss oder stirb“-Welt von Bed-Stuy („the place where my head rest), die BIG beobachtete, während er vom Dachbalkon seines Apartments am St. James Place herunterblickte, wurde zu einer neu entdeckten Welt. Mit seiner tiefen Stimme, die so körnig wie zerbrochenes Glas und so dringlich wie eine Sirene klang, brachten BIGs straßenerfahrene Poesie und sein filmischer Blick für Details das damals blind vor sich hinstolpernde NYC (das seinerzeit von West-Coast-MCs beiseite geschoben wurde) wieder zurück ins Spiel – das wir ursprünglich erfunden hatten.

BIG trat in die übergroßen Fußstapfen der Achtziger-Ikonen Rakim und Big Daddy Kane, zwei seiner favorisierten Rapper. Er schaffte es, seinem Block treu zu bleiben und gleichzeitig berühmt zu werden. Nachdem er im März 1992 mit einem Rap über einem alten Kane-Beat die Unsigned Hype-Competition des HipHop-Magazins The Source gewonnen hatte, bekam A&R-Chef und Konzept-Rebell Sean „Puffy“ Combs von Uptown Records ein Tape von BIG in die Hände.

Als Uptown-Mitarbeiter hatte Puffy bereits den Style und die Grooves einiger Frühneunziger-Acts wie Mary J. Blige und Jodeci geformt, und auf dem Demo spürte er die aufrührende Vision eines 1,90m großen, über 200 Pfund schweren Verseschmiedes. In „The Legacy of Big Poppa“, einem Artikel des früheren Source-Herausgebers und Rap-Fans Carlito Rodriguez, heißt es: „Puffy, der zwar mochte, was er hörte, aber nicht, was er mit dem dunkelhäutigen, schwergewichtigen jungen Mann vor sich sah, begriff, dass er aus dem rauen Straßenjungen einen erstklassigen Act machen konnte. Vielleicht sogar ein Sex-Symbol.“

Biggie von einem Brooklyn-Boy zu einem Weltstar zu transformieren, war nicht gerade eine Kleinigkeit, aber Puffy war ehrgeizig.. Mit dem Clubhanger Party & Bullshit, ein Track aus dem „Who’s The Man“-Soundtrack, machte er dem Publikum 1992 den Mund wässrig, aber die Idee, Biggie zu den Massen zu bringen, scheiterte beinah an der Tatsache, dass der Uptown-Boss Andre Harrell Puffy feuerte. In einem VH-1-Interview sagte Andre Harrell später: „Puffy war ein Genie im Studio, aber draußen war er ein Chaot. Wenn Puffy in der Nähe war, ging garantiert immer etwas kaputt.“

Dream Hampton, als Kulturspezialist immer dicht an der Szene, schrieb in „The Vibe History of HipHop“: „In jener Nacht machte Puffy sich auf einen seiner seltenen Trips nach Brooklyn. Über eine Erdbeer-Käsetorte hinweg versicherte er Biggie, dass etwas passieren wird. Dass ihr Traum wahr werden wird. Dass Rückschlage Herausforderungen sind und sie zusammen nicht zu stoppen wären.“
Puffy tat sich mit Arista-Veteran Clive Davis zusammen und gründete Bad Boy Records, ein Label, das für die Neunziger das wurde, was DefJam, Tommy Boy, Sleeping Bag oder Cold Chillin’ im Jahrzehnt davor gewesen waren. Obwohl die Folks auf der Straße über den dürren Mann mit dem Masterplan lachten, weil er eben nicht den attraktivsten aller MCs unter Vertrag hatte, war Puffy derjenige, der mit Craig Mack und BIG zuletzt lachte.

Craigs Project: Funk Da World war der erste Bad Boy-Release und brachte den dopen „Flava Your Ear“-Remix mit, aber es dauerte nur einen Monat, dass Bad Boy wirklich groß wurde: Am 1. September 1994 erschien BIGs revolutionäres Werk Ready To Die, das zu einem Meilenstein in der Geschichte des HipHop wurde. Mit seinen Produzenten, zu denen Puffy, Easy Moe Bee und DJ Premier gehörten, hatte Biggie ein Album voller Soul geschmiedet, das für seine Zeit so bedeutend war wie Marvin Gayes „What’s Going On“ und Curtis Mayfields Soundtrack zum Film „Super Fly“.

Das Cover zeigt ein Afrohead-Baby, von dem viele Fans bis heute der Meinung sind, es stamme aus dem Fotoalbum von Biggies Mom. Das Album begann mit einem verrückten Intro von BIGs Geburt und schloss mit dem Wahnsinn der Suicidal Thoughts. Alles was sich dazwischen befand, war ein einziger Fluss an Rhymes, die das Spiel von der Wahrheit trennten. Für die meisten war es wie ein Trip durch die Straßen der schwarzen Hauptstadt Bed-Stuy, wenn sie Ready To Die hörten, und Biggie war so etwas wie ein Fremdenführer. Auf den Spuren von Big Poppa zeigte er uns die Orte seiner frühen Gangstertage auf Gimmie the Loot und Everyday Struggle, teilte seine Word Up!-Ambitionen auf Juicy mit, erzählte seine persönlichen Frauendramen mit One More Chance und Me & My Bitch und zeigte sich verwundbar auf Suicidal Thoughts und dem Titeltrack Ready To Die. Ausgerüstet mit einzigartiger visionärer Kraft, einem unbändigen Sinn für Humor und einem scharfen Blick für Details, bewies Biggie, dass er etwas besonderes ist.

Doch der Abgrund zwischen BIG und den anderen Rappern (und zwischen Bad Boy und den anderen Labels) war größer als nur die Tatsache, dass er der beste war. Es war die hypnotische Bühnenpräsenz, sein „style and grace“ in den Videos von Hype Williams, die zahllosen Magazin-Cover und Awards und Biggies unaufhaltsamer Aufstieg von der Straße in die Suites, die die verbitterten Herzen seiner Rap-Rivalen vor Neid überschäumen ließen. Und so kam es im Jahre 1995 auf Aufnahmen und in Interviews zu erhitzten Worten zwischen BIG (und Bad Boy) und seinem ehemaligen freund Tupac (und dessen Label Death Row), die von den Mainstream-Medien als „East Coast/West Coast-Rap-Krieg“ bezeichnet wurden. Und es wurde genug Benzin vergossen, um aus einer kleinen Flamme eine Feuersbrunst zu machen. Und bevor es sich beruhigen konnte, waren beide hochtalentierten Dichter tot.

Jeder HipHop-Fan, und jeder Fan von BIG, der plötzlich hörte, dass Notorious B.I.G. wenige Wochen vor der Veröffentlichung seines Album Life After Death getötet wurde, empfand die Situation gelinde gesagt als unheimlich. Und wo mancher glaubt, anhand von Tracktiteln wie What’s Beef, Going Back To Cali und You’re Nobody (Til Somebody Kills You) beweisen zu können, dass Biggie einen Todeswunsch hatte, könnte nichts weiter von der Wahrheit entfernt sein als das.

Wer immer Bigie ein paar Wochen zuvor gesehen hatte, als eine Horde wilder und aufgeregter New Yorker Musikjournalisten sich in Puff Daddy’s House-Studio versammelte, um einen Vorgeschmack auf Life After Death zu holen, der wusste, dass Biggie die Lebensfreude in Person war. Biggie und Puffy rissen Witze, schossen Fotos mit Journalisten und zeigten nichts als Liebe zum Leben. Zur Hölle mit der Idee, bereit zum sterben zu sein, der 24-jährige Biggie stand jetzt am Anfang seines Lebens. Das Leuchten in seinen Augen und sein breites Grinsen sagten genau dies.

Kurz nach seinem Tod fragte ein Fan: „Ist dies der Tod des Rap?“ „Zur Hölle, nein!“, ist die Antwort. Jazz starb nicht mit Charlie Parker, Rock nicht mit Jimi Hendrix und Grunge nicht mit Kurt Cobain. Biggie ist gegangen, aber seinetwegen wird es Rap für immer geben.

Acht Jahre später ist dieser großartige MC immer noch ein Teil unseres Bewusstseins und als Künstler so sehr seiner Zeit voraus, dass seine Rhymes noch immer so klingen, als seien sie erst gestern geschrieben worden. Legionen von Fans betrauern noch immer den Verlust BIGs und spekulieren: Wie würde Rap heute klingen, wenn die Kugel ihn verfehlt hätte?

Mit THE NOTORIOUS B.I.G. DUETS: The Final Chapter haben die Leute von Bad Boys auf die Bitten und Gebete von vielen geantwortet und den Hörern noch eine Chance gegeben, Brooklyns beste Stimme durch ihre Boxen zu schicken - mit neuen Grooves, grimmigen Produktionen und außergewöhnlichen Allstar-Kollaborationen. Die Verbindung von BIGs-Vocals mit frischen Tracks ist ein willkommener Zuwachs für die Rap-Charts. Von der ersten Single Hold Ya Head an, auf der Bob Marley zu hören ist, ist es klar, dass dieses Album etwas besonderes ist. Produziert vom Bostoner DJ Sparks ist es ein Opus Magnus, dass uns die beiden Legenden für einen Moment zurückbringen.

Havoc von Mobb Deep verleiht dem Track Beef eine kräftige Prise New York Noise. Angelehnt an Last Day von Life After Death assimiliert Havoc auf dem Track den Queensbridge-Sound mit dem Gangster-Flair von BIGs Vocals. Noch tiefer in die dunklen Bereiche des Sounds führt Eminems Produktion It Has Been Said, das mit einem Feature von Obie Trice ein bewegender Tribut an BIG ist. Angereichert mit Turntable Scratching und durchgeknallten Beats, zelebriert der Track ein Vermächtnis, das vorzeitig verloren ging.

Weitere Highlights des Projekts sind Get Your Grind On, das zum ersten Mal Biggie, Fat Joe und Big Pun zusammen bringt, und Spit Your Game das Twista mit Krazie Bone (Bone Thugs & Harmony) vereint. R. Kelly und Charlie Wilson begleiten BIG auf dem soulvollen Groove Mi Casa und KoRn rocken mit BIG auf Wake Up. Auf Love Is Everlasting rezitiert B.I.G.s Mom Voletta Wallace ein Original-Gedicht für ihren Sohn. neben Diddy und B.I.G., Faith Evans, Harve Pierre und anderen steht sie als Co-Executive Producer gerade.







Artikel von: Redaktion Quelle: Warner Music Letztes Update: 26.05.2008








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