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DJ Shadow

DJ Shadow - Foto Copyright: 2006 Universal. Int. Division

Foto: 2006 Universal. Int. Division

„Du denkst wahrscheinlich gerade, `Hmm, irgendwie hat der sich ganz schön verändert´“, setzt Josh „DJ Shadow“ Davis an, wenn man ihn danach fragt, was seit seinem letzten Album-Release – „The Private Press“, 2002 – geschehen ist. Dass recht drastische Veränderungen stattgefunden haben, ist in der Tat offensichtlich. Da reicht schon ein erstes, flüchtiges Anhören von „The Outsider“, seiner unfassbar fantastischen dritten LP. Doch man kann diese Tendenz auch an anderen Kleinigkeiten ablesen: wie er redet, wie er aussieht, und wichtiger noch: mit was für einem Selbstvertrauen er seine neuste Arbeit präsentiert.


Verwandte Genres

Noch kein Genre vorhanden

Biographie

Das in Kürze erscheinende „The Outsider“ ist ein Album, das diejenigen irritieren wird, die stets der Überzeugung waren, dass Shadow in eine Schublade passt. Mit haufenweise Vokalgästen und einer unglaublichen Vielzahl von Styles, die alles zwischen „Hyphy“, dem neusten HipHop-Hybrid aus der Bay Area, und Folk bzw. zwischen aggressivem Hardcore und alternativen Dance-Sounds abdecken, ist es ein fast schon schizophren klingendes Werk eines Künstlers geworden, für den die Liebe zur Musik und das eigene Musikmachen eine unzertrennliche Einheit bilden. Und doch müssen sich auch Langzeitfans von Shadow keinerlei Sorgen machen: Sein stilsicheres Händchen, mit dem er stets die richtigen Platten abstaubt, um aus vergessenen Stimmen und Song-Versatzstücken seine einzigartigen Sample-Collagen zu kreieren, greift nach wie vor tief in die Trickkiste. Dazu wird man das Gefühl nicht los, dass man es bei „The Outsider“ mit dem wahrhaftigen Shadow zu tun hat. Mit der ungefilterten Version des Sample-Meisters. Es klingt geradezu, als hätte er sein ganzes Leben darauf gewartet, diese Platte aufzunehmen. „Auf dem Album sind Songs mit Rappern, Songs mit Sängern“, erklärt er. „Es gibt Songs, die komplett live eingespielt sind, Songs, die ich alleine am Keyboard gebastelt habe, oder auch Songs, die einzig und allein aus Samples bestehen. Die Sache ist jedoch folgende: Während ich an der Arbeit war, kamen immer wieder Leute vorbei und hörten sich einzelne Stücke an. Wenn sie eine Idee mochten, sagten sie Dinge wie `Wow! Warum machst du nicht einmal ein komplettes Album in diesem Style? Das hier könnte dein Rap-Album sein´ - wenn sie gerade ein Rap-Stück gehört hatten – `danach kannst du ja immer noch zu deinen anderen Ideen zurückkehren.´ Aber das kann ich einfach nicht, so funktioniere ich nicht!“
Über einen Zeitraum von drei Jahren entstand das neue Album schließlich, wobei die unterschiedlichsten Songs nach und nach zu einem Gesamtbild zusammengefügt wurden. „Artifact (Instrumental)“ ist ein Überbleibsel von Shadows Arbeit mit Zack De La Rocha, dem ehemaligen Sänger von Rage Against The Machine. Shadow sollte das angedachte Soloalbum des Rage-Sängers produzieren, doch wurde besagte LP nie fertiggestellt. „3 Freaks“, auf dem die beiden „Hyphy“-MCs Keak Da Sneak und Turf Talk Shadow zur Seite stehen, wurde aufgenommen, nachdem sich Davis Hals über Kopf in die diese Art von Bay-Area-Crunk verliebt hatte. „Seein’ Thangs“, auf dem der Mississippi-Überflieger David Banner zu hören ist, sollte ursprünglich auch noch mit einem Rap-Part von Mystikal versehen werden – doch war der gerade im Gefängnis. Auch die zweite Wahl von Shadow, Pastor Troy, war zu jener Zeit hinter Gittern. Als Davis dann Banner nach einer zweiten Strophe fragte, hatte Hurricane Katrina bereits seine katastrophalen Spuren hinterlassen – der Eindruck der Verwüstungen schlug sich auch in Banners Verbal-Nachschlag nieder. Sergio Pizzorno und Christopher Karloff von der Band Kasabian lernte Shadow durch seinen Tontechniker kennen. Aus dieser Bekanntschaft sollte schon bald der Song „The Tiger“ hervorgehen. Und sogar die Bay-Area-Legende E-40 ist mit von der Partie: Wenn er vom „legendary DJ Shadow“ rappt, unterstreicht er noch einmal, dass dieser vermeintliche „Outsider“ eigentlich gar keiner ist. Um zu verstehen, wie so viele Stimmen und Inspirationen auf ein einziges Album passen, muss man bedenken, dass Shadow sich schon immer gleichermaßen als Fan und als Musiker verstanden hat. Schließlich hat sich das Quannum-Mitglied, wenn er gerade nicht an einem eigenen Album oder an Songs von anderen Rappern gearbeitet hat, auch als Mixtape-DJ einen Namen gemacht. Das Musik-Archiv des „Crate-Diggers“ war schon vor Jahren überdimensional – und natürlich wächst es noch immer mit jedem Tag. „Brainfreeze“ und „Product Placement“, die beiden legendären Mixtapes, für die Shadow und sein Kollege DJ Cut Chemist ausschließlich 7“s „verheizten“, sollten das Funk-DJing revolutionieren, während seine „Schoolhouse Funk“-Compilations eines der unbeschreiblichsten Genres überhaupt – Funk von High-School-Marschkapellen – davor bewahrt haben, für immer in der Mülltonne (oder in amerikanischen Trödelläden) zu verenden. Im Studio jedoch hatte er wiederholt das Gefühl, von den Erwartungen, die nach seinem Debütalbum entstanden waren, erdrückt zu werden.
Nachdem er 1996 mit der Veröffentlichung des „Endtroducing...“-Meilensteins der Welt offenbart hatte, was für ein unfassbar geschultes Ohr er für vergessene Klang-Juwelen hat, wurde Shadow meistens für das gehalten, was die Leute in ihm sehen wollten. Gemeinsam mit seinem frühen Mentor DJ James Lavelle, seinem Label-Chef und -Kollegen von Mo’Wax, übernahm er einen Großteil der Produktion des 1998er U.N.K.L.E.-Albums „Psyence Fiction“. Als er dann „The Private Press“ veröffentlichte, hatte er die Grenzen „sein Genres“ – emotionale Instrumentalmusik, die einzig aus Samples gestrickt ist – bereits völlig ausgereizt. Ob es sich nun um das eindringliche „Giving Up The Ghost“ oder die Methodenbesessenheit von „Monosyllabik“ (der gesamte Track bestand aus der Manipulation einer einzigen Funk-Single, wobei Shadow eine Art klangliche Stop-Motion-Technik einsetzte) handelte – die Platte war das ultimative Vinyl-Statement von Shadow.
Und doch blieb das Sample-Wunderkind während all dieser Projekte insgeheim derjenige begeisterte Rap-Fan, zu dem er sich entwickelt hatte, nachdem er als Teenager erstmalig die Beats und Rhymes im College-Radio seiner Heimatstadt (die ebenfalls Davis heißt) gehört hatte. Im Cover von „Endtroducing...“ erklärte er die Platte zum Resultat eines „Lebens in der Vinyl-Kultur“, und sicher hätte eine solche Aussage auch in den Linernotes von „The Private Press“ nicht unpassend gewirkt. Und doch war all das nur die halbe Wahrheit: mit „The Outsider“ setzt Shadow nun zu einem Rundumschlag an, um sämtliche Lücken der Vergangenheit endlich zu schließen. Den Außenseiter-Titel hat er übrigens gewählt, weil er sich oftmals so fühlt – als Außenseiter in der Musikindustrie, als Außenseiter im Hardcore-Rap, doch irren seine Fans, wenn sie denken, er wolle mit dieser Art von Rap nichts am Hut haben... Zwei Dinge waren es schließlich, die Shadow und seine Musik verändern sollten. Zunächst war da ein Befund: Seiner Frau, die im Jahr 2003 Zwillinge erwartete, wurde offenbart, dass ihre Schwangerschaft als „monoamniotisch“ einzustufen sei. Diese äußerst seltene Diagnose – „die Wahrscheinlichkeit, dass einen der Blitz trifft, ist vier Mal größer“, sagt Davis – bedeutet, dass sich die Zwillinge innerhalb der Gebärmutter in nur einer Fruchtblase entwickeln. Heute haben Davis und seine Frau zwei gesunde Töchter, doch war die gesamte Schwangerschaft eine monatelange Qual, nachdem zahlreiche Ärzte dem Paar versichert hatten, dass die Überlebenschancen für die Babys und die Mutter gleichermaßen winzig sind. Doch damit noch nicht genug: Während Shadow gerade in London an den Aufnahmen für „The Outsider“ arbeitete, nahm er sich nach einer ausgedehnten Session ein Taxi, um schnell ins Hotel zu kommen. Der Taxifahrer schlief jedoch hinter dem Steuer ein und nahm eine rote Ampel mit: Davis und sein schlafender Chauffeur rasten seitlich in einen Minivan. Auch wenn keine Schwerverletzten zu verzeichnen waren: Wäre das Taxi von Davis nur den Bruchteil einer Sekunde früher in die Kreuzung gefahren, wäre Shadow an diesem Tag gestorben. „Diese beiden Erlebnisse haben mich völlig umgehauen“, berichtet er heute. „Sie haben mein ganzes Denken verändert, und ich kann auch nicht mehr zurück zu meiner alten Denkweise. Es war, als ob in mir ein Schalter umgelegt wird. Heute habe ich das Gefühl, dass ich in den vergangenen sieben Jahren so eine Art `ewiger 23-Jähriger´ war, die Zeit stand still bzw. dümpelte so vor sich hin. Doch dann passierten diese Dinge, und ich wurde mit einem Schlag wach. Ich wurde auf einen Schlag zu einem erwachsenen Mann. Manchmal denke ich, dass ich nun vorsichtiger sein sollte, dass ich ruhiger und dankbarer und auch ernster bin, weil das passiert ist – aber das stimmt gar nicht! Mir ist nämlich klar geworden, dass ich IMMER Farbe bekennen will, dass ich nichts mit halber Kraft machen will. Mir wurde nach diesen beiden Geschehnissen klar, dass das Leben viel zu kurz ist, dass es jederzeit vorbei sein kann, also gibt es keinen anderen Weg als sich auf das zu stürzen, was einem wirklich am Herzen liegt! Ich ging also nach Hause und schrieb den Song `Three Freaks´. Und mit einem Mal war ich absolut zuversichtlich; ich wusste genau, welche Richtung ich einschlagen wollte!“
Dieses Selbstvertrauen ist völlig angebracht, denn man kann auf seinem neuen Werk raushören, wie sehr er die Lebenslektion verinnerlicht hat. Indem er sich gänzlich den Vorlieben seines „inneren Fans“ ausgeliefert hat, ist es Shadow gelungen, diejenige Platte aufzunehmen, die sein wahres Wesen widerspiegelt. Sie zeigt, um es in den Worten eines HipHop-Pioniers zu sagen, „where he’s from, and where he’s at.“

„Du denkst wahrscheinlich gerade, `Hmm, irgendwie hat der sich ganz schön verändert´“, setzt Josh „DJ Shadow“ Davis an, wenn man ihn danach fragt, was seit seinem letzten Album-Release – „The Private Press“, 2002 – geschehen ist. Dass recht drastische Veränderungen stattgefunden haben, ist in der Tat offensichtlich. Da reicht schon ein erstes, flüchtiges Anhören von „The Outsider“, seiner unfassbar fantastischen dritten LP. Doch man kann diese Tendenz auch an anderen Kleinigkeiten ablesen: wie er redet, wie er aussieht, und wichtiger noch: mit was für einem Selbstvertrauen er seine neuste Arbeit präsentiert.
Das in Kürze erscheinende „The Outsider“ ist ein Album, das diejenigen irritieren wird, die stets der Überzeugung waren, dass Shadow in eine Schublade passt. Mit haufenweise Vokalgästen und einer unglaublichen Vielzahl von Styles, die alles zwischen „Hyphy“, dem neusten HipHop-Hybrid aus der Bay Area, und Folk bzw. zwischen aggressivem Hardcore und alternativen Dance-Sounds abdecken, ist es ein fast schon schizophren klingendes Werk eines Künstlers geworden, für den die Liebe zur Musik und das eigene Musikmachen eine unzertrennliche Einheit bilden. Und doch müssen sich auch Langzeitfans von Shadow keinerlei Sorgen machen: Sein stilsicheres Händchen, mit dem er stets die richtigen Platten abstaubt, um aus vergessenen Stimmen und Song-Versatzstücken seine einzigartigen Sample-Collagen zu kreieren, greift nach wie vor tief in die Trickkiste. Dazu wird man das Gefühl nicht los, dass man es bei „The Outsider“ mit dem wahrhaftigen Shadow zu tun hat. Mit der ungefilterten Version des Sample-Meisters. Es klingt geradezu, als hätte er sein ganzes Leben darauf gewartet, diese Platte aufzunehmen. „Auf dem Album sind Songs mit Rappern, Songs mit Sängern“, erklärt er. „Es gibt Songs, die komplett live eingespielt sind, Songs, die ich alleine am Keyboard gebastelt habe, oder auch Songs, die einzig und allein aus Samples bestehen. Die Sache ist jedoch folgende: Während ich an der Arbeit war, kamen immer wieder Leute vorbei und hörten sich einzelne Stücke an. Wenn sie eine Idee mochten, sagten sie Dinge wie `Wow! Warum machst du nicht einmal ein komplettes Album in diesem Style? Das hier könnte dein Rap-Album sein´ - wenn sie gerade ein Rap-Stück gehört hatten – `danach kannst du ja immer noch zu deinen anderen Ideen zurückkehren.´ Aber das kann ich einfach nicht, so funktioniere ich nicht!“
Über einen Zeitraum von drei Jahren entstand das neue Album schließlich, wobei die unterschiedlichsten Songs nach und nach zu einem Gesamtbild zusammengefügt wurden. „Artifact (Instrumental)“ ist ein Überbleibsel von Shadows Arbeit mit Zack De La Rocha, dem ehemaligen Sänger von Rage Against The Machine. Shadow sollte das angedachte Soloalbum des Rage-Sängers produzieren, doch wurde besagte LP nie fertiggestellt. „3 Freaks“, auf dem die beiden „Hyphy“-MCs Keak Da Sneak und Turf Talk Shadow zur Seite stehen, wurde aufgenommen, nachdem sich Davis Hals über Kopf in die diese Art von Bay-Area-Crunk verliebt hatte. „Seein’ Thangs“, auf dem der Mississippi-Überflieger David Banner zu hören ist, sollte ursprünglich auch noch mit einem Rap-Part von Mystikal versehen werden – doch war der gerade im Gefängnis. Auch die zweite Wahl von Shadow, Pastor Troy, war zu jener Zeit hinter Gittern. Als Davis dann Banner nach einer zweiten Strophe fragte, hatte Hurricane Katrina bereits seine katastrophalen Spuren hinterlassen – der Eindruck der Verwüstungen schlug sich auch in Banners Verbal-Nachschlag nieder. Sergio Pizzorno und Christopher Karloff von der Band Kasabian lernte Shadow durch seinen Tontechniker kennen. Aus dieser Bekanntschaft sollte schon bald der Song „The Tiger“ hervorgehen. Und sogar die Bay-Area-Legende E-40 ist mit von der Partie: Wenn er vom „legendary DJ Shadow“ rappt, unterstreicht er noch einmal, dass dieser vermeintliche „Outsider“ eigentlich gar keiner ist. Um zu verstehen, wie so viele Stimmen und Inspirationen auf ein einziges Album passen, muss man bedenken, dass Shadow sich schon immer gleichermaßen als Fan und als Musiker verstanden hat. Schließlich hat sich das Quannum-Mitglied, wenn er gerade nicht an einem eigenen Album oder an Songs von anderen Rappern gearbeitet hat, auch als Mixtape-DJ einen Namen gemacht. Das Musik-Archiv des „Crate-Diggers“ war schon vor Jahren überdimensional – und natürlich wächst es noch immer mit jedem Tag. „Brainfreeze“ und „Product Placement“, die beiden legendären Mixtapes, für die Shadow und sein Kollege DJ Cut Chemist ausschließlich 7“s „verheizten“, sollten das Funk-DJing revolutionieren, während seine „Schoolhouse Funk“-Compilations eines der unbeschreiblichsten Genres überhaupt – Funk von High-School-Marschkapellen – davor bewahrt haben, für immer in der Mülltonne (oder in amerikanischen Trödelläden) zu verenden. Im Studio jedoch hatte er wiederholt das Gefühl, von den Erwartungen, die nach seinem Debütalbum entstanden waren, erdrückt zu werden.
Nachdem er 1996 mit der Veröffentlichung des „Endtroducing...“-Meilensteins der Welt offenbart hatte, was für ein unfassbar geschultes Ohr er für vergessene Klang-Juwelen hat, wurde Shadow meistens für das gehalten, was die Leute in ihm sehen wollten. Gemeinsam mit seinem frühen Mentor DJ James Lavelle, seinem Label-Chef und -Kollegen von Mo’Wax, übernahm er einen Großteil der Produktion des 1998er U.N.K.L.E.-Albums „Psyence Fiction“. Als er dann „The Private Press“ veröffentlichte, hatte er die Grenzen „sein Genres“ – emotionale Instrumentalmusik, die einzig aus Samples gestrickt ist – bereits völlig ausgereizt. Ob es sich nun um das eindringliche „Giving Up The Ghost“ oder die Methodenbesessenheit von „Monosyllabik“ (der gesamte Track bestand aus der Manipulation einer einzigen Funk-Single, wobei Shadow eine Art klangliche Stop-Motion-Technik einsetzte) handelte – die Platte war das ultimative Vinyl-Statement von Shadow.
Und doch blieb das Sample-Wunderkind während all dieser Projekte insgeheim derjenige begeisterte Rap-Fan, zu dem er sich entwickelt hatte, nachdem er als Teenager erstmalig die Beats und Rhymes im College-Radio seiner Heimatstadt (die ebenfalls Davis heißt) gehört hatte. Im Cover von „Endtroducing...“ erklärte er die Platte zum Resultat eines „Lebens in der Vinyl-Kultur“, und sicher hätte eine solche Aussage auch in den Linernotes von „The Private Press“ nicht unpassend gewirkt. Und doch war all das nur die halbe Wahrheit: mit „The Outsider“ setzt Shadow nun zu einem Rundumschlag an, um sämtliche Lücken der Vergangenheit endlich zu schließen. Den Außenseiter-Titel hat er übrigens gewählt, weil er sich oftmals so fühlt – als Außenseiter in der Musikindustrie, als Außenseiter im Hardcore-Rap, doch irren seine Fans, wenn sie denken, er wolle mit dieser Art von Rap nichts am Hut haben... Zwei Dinge waren es schließlich, die Shadow und seine Musik verändern sollten. Zunächst war da ein Befund: Seiner Frau, die im Jahr 2003 Zwillinge erwartete, wurde offenbart, dass ihre Schwangerschaft als „monoamniotisch“ einzustufen sei. Diese äußerst seltene Diagnose – „die Wahrscheinlichkeit, dass einen der Blitz trifft, ist vier Mal größer“, sagt Davis – bedeutet, dass sich die Zwillinge innerhalb der Gebärmutter in nur einer Fruchtblase entwickeln. Heute haben Davis und seine Frau zwei gesunde Töchter, doch war die gesamte Schwangerschaft eine monatelange Qual, nachdem zahlreiche Ärzte dem Paar versichert hatten, dass die Überlebenschancen für die Babys und die Mutter gleichermaßen winzig sind. Doch damit noch nicht genug: Während Shadow gerade in London an den Aufnahmen für „The Outsider“ arbeitete, nahm er sich nach einer ausgedehnten Session ein Taxi, um schnell ins Hotel zu kommen. Der Taxifahrer schlief jedoch hinter dem Steuer ein und nahm eine rote Ampel mit: Davis und sein schlafender Chauffeur rasten seitlich in einen Minivan. Auch wenn keine Schwerverletzten zu verzeichnen waren: Wäre das Taxi von Davis nur den Bruchteil einer Sekunde früher in die Kreuzung gefahren, wäre Shadow an diesem Tag gestorben. „Diese beiden Erlebnisse haben mich völlig umgehauen“, berichtet er heute. „Sie haben mein ganzes Denken verändert, und ich kann auch nicht mehr zurück zu meiner alten Denkweise. Es war, als ob in mir ein Schalter umgelegt wird. Heute habe ich das Gefühl, dass ich in den vergangenen sieben Jahren so eine Art `ewiger 23-Jähriger´ war, die Zeit stand still bzw. dümpelte so vor sich hin. Doch dann passierten diese Dinge, und ich wurde mit einem Schlag wach. Ich wurde auf einen Schlag zu einem erwachsenen Mann. Manchmal denke ich, dass ich nun vorsichtiger sein sollte, dass ich ruhiger und dankbarer und auch ernster bin, weil das passiert ist – aber das stimmt gar nicht! Mir ist nämlich klar geworden, dass ich IMMER Farbe bekennen will, dass ich nichts mit halber Kraft machen will. Mir wurde nach diesen beiden Geschehnissen klar, dass das Leben viel zu kurz ist, dass es jederzeit vorbei sein kann, also gibt es keinen anderen Weg als sich auf das zu stürzen, was einem wirklich am Herzen liegt! Ich ging also nach Hause und schrieb den Song `Three Freaks´. Und mit einem Mal war ich absolut zuversichtlich; ich wusste genau, welche Richtung ich einschlagen wollte!“
Dieses Selbstvertrauen ist völlig angebracht, denn man kann auf seinem neuen Werk raushören, wie sehr er die Lebenslektion verinnerlicht hat. Indem er sich gänzlich den Vorlieben seines „inneren Fans“ ausgeliefert hat, ist es Shadow gelungen, diejenige Platte aufzunehmen, die sein wahres Wesen widerspiegelt. Sie zeigt, um es in den Worten eines HipHop-Pioniers zu sagen, „where he’s from, and where he’s at.“







Artikel von: Redaktion Quelle: Universal Music Letztes Update:








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