The Sex Pistols - Never Mind The Sex Pistols DVD


The Sex Pistols - Never Mind The Sex Pistols DVD

(23.04.2008) 26 Monate reichten, um die Musik, die Popkultur und das Lebensgefühl gleich mehrerer Generationen von Grund auf zu verändern. 26 Monate, in denen die Eigendynamik der Revolte und ausgeklügelte Marketingkonzepte sich gegenseitig dekonstruierten. 26 Monate, in denen THE SEX PISTOLS existierten. Über die Geschichte der SEX PISTOLS sind Unmengen an Literatur und Filmmaterial veröffentlicht worden, und immer wieder verschiebt sich die Bewertung der Ereignisse. Tatsache ist: Die Faszination am Punk und an seinen lautesten Protagonisten, den SEX PISTOLS, hat bis heute nicht nachgelassen: Denn auch dreißig Jahre nach der Eruption des schlechten Geschmacks ziehen die in Urbesetzung reformierten SEX PISTOLS ein begeistertes Publikum aus alten und neuen Fans an. Etwas über dreißig Jahre nach der Veröffentlichung des einzigen THE SEX PISTOLS-Album „Never Mind The Bollocks“ legt Filmemacher und Biograf Alan Parker („Sid’s Way“, „Expose: Sex Pistols Recording Guide“ und „Sid Vicious: 21st Century Icon“) eine aktuelle DVD-Dokumentation über die PISTOLS vor, die ihren rasanten Aufstieg und noch rasanteren Fall aus der „Innen“-Perspektive aufrollt. Parker philosophiert nicht ins Blaue hinein: Er lässt jene zu Wort kommen, die damals dabei und aktiv waren: Glen Matlock, der die meisten PISTOLS-Songs schrieb und im März 1977 aus der Band komplimentiert wurde, Malcolm McLaren, der als PISTOLS-Manager zu den umstrittensten Persönlichkeiten der Punkwelt zählt, und Steve Diggle, den Gitarristen der Buzzcocks, die das Punkphänomen in Manchester lostraten. Außerdem erinnern sich viele Personen aus dem näheren Umfeld der Band: John Boogie Tiberi, Tour Manager der PISTOLS, Alan Jones, Verkäufer in McLarens und Vivienne Westwoods „Sex“-Laden, in dem alles begann, Steve Connolly, Roadie bei The Clash und Sex Pistols, George X (Ex-Punk), Mick O’Shea (Punk-Autor) sowie Alan Parker selbst, der die Band seit ihren frühen Tagen begleitet hat.

Ganz im Stile der Interview-Dokumentation, stellt Parker die Interviews kommentarlos nebeneinander und erreicht damit die wahrscheinlich größtmögliche Objektivität durch mehrere subjektive Perspektiven, die einander in der Bewertung der Ereignisse durchaus widersprechen. Dabei gibt es Überraschungen, zum Beispiel behauptet McLaren zum ersten Mal öffentlich, dass er nie ein Album mit den PISTOLS machen wollte. Und bei aller Attitüde der befragten Personen kann man davon ausgehen, dass die Geschichte der PISTOLS hier authentisch erzählt wird – und dass Authentizität im Erleben des Beteiligten entsteht. Um die Jetzt-Zeit-Perspektive zu unterstreichen, verzichtete Parker überdies vollständig auf den Einsatz von Musik oder Original-Filmszenen. Es gibt keinen PISTOLS-Einspieler in der Doku. Never Mind The Sex Pistols hat eine Spielzeit von etwa 90 Minuten und kann in fünf Sprachen untertitelt werden.

THE SEX PISTOLS, vormals ’The Swankers’, gründeten sich im Jahre 1975 im Umfeld von Vivienne Westwoods und Malcolm McLarens „Sex“-Store in der Londoner King’s Road, nachdem McLaren als Sänger John „Rotten“ Lydon engagiert hatte. Steve Jones, Paul Cook, Glen Matlock und Johnny Rotten waren mit ihrer ungestümen Wut auf das Establishment und die Prog- und Glamrockszene jener Tage das perfekte Vehikel, um McLarens Art-School-geprägten, antisozialen Situationismus in die Popkultur zu tragen. Skandale begleiteten die Band: Aggressive Songtexte, „anstößiges“ Gebaren in der Öffentlichkeit (u.a. in der legendären Bill Grundy-Show auf BBC) und ein spektakuläres Konzert zum Geburtstag der Queen auf der Themse, das mit Polizeigewalt aufgelöst wurde, brachte die britische Bürgerseele zum Kochen. Der Geheimdienst MI5 observierte die Rock’n’Roll-Band, deren Musik sogar im englischen Parlament thematisiert wurde. Einige geplatzte Deals, u.a. mit EMI und A&M, sowie der Boykott der Singles „Anarchy in the U.K.“ und „God Save The Queen“ (die trotzdem auf Platz 2 der UK-Charts ging) erschwerten die klassische Rock’n’Roll-Karriere, die von McLaren aber auch gar nicht angestrebt wurde. Als Bassist Glen Matlock durch Szene-Idol Sid Vicious ausgetauscht wurde, steuerten die PISTOLS auf ihren populären Höhepunkt – und ihren künstlerischen Niedergang zu. Zu diesem Zeitpunkt konnte die Band nur noch unter Pseudonym in England auftreten. Erst im November 1977 erschien das Album „Never Mind The Bollocks“, etwa vier Monate nach der einzig nicht verbotenen Single „Pretty Vacant“ (UK #6). Anfang Januar 1978 gingen die SEX PISTOLS auf eine desaströse Tour durch den konservativen Süden der USA, die den Zusammenhalt der Band schließlich sprengte. Ein trauriges Ende fand die Legende dann im bis heute nicht geklärten Tod der Freundin Vicious’, Nancy Spungen. Sid Vicious wurde wegen Mordes vor Gericht gestellt und starb kurze Zeit später an einer Überdosis Heroin. Seit Anfang der Neunziger gab es Gerüchte um eine Wiedervereinigung, inzwischen gehen THE SEX PISTOLS in Urbesetzung wieder auf die Bühne.

Die DVD - Never Mind The Sex Pistols wird am 2. Mai im Handel erscheinen.



Artikel von: Redaktion - Quelle: Warner Music , Internetradio RadioW











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