Auf hohem Niveau wird gejammert


Auf hohem Niveau wird gejammert

(29.06.2009) Wir Deutschen jammern auf einem hohen Niveau, heißt es immer. Wie viel Wahres an dieser Redensart dran ist, konnte man vergangene Woche anlässlich des deutschlandweiten Bildungsstreiks beobachten. Zehntausende von Schülern und Studenten gingen dabei auf die Straße, um ihren Unmut gegen die ihrer Ansicht nach unhaltbaren Zustände im deutschen Bildungssystem kund zu tun. Bei einigen Demonstranten musste man sich jedoch ehrlich fragen, ob sie überhaupt wussten, für oder gegen was sie denn da protestierten. „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut!“, hieß eine ihrer Parolen. Allerdings, geklaut werden kann einem eigentlich nur, was man auch besitzt. Und da sah es bei so manchem eher schlecht aus. Einige junge Demonstrantinnen eines Berliner Gymnasiums beispielsweise hielten es für so ziemlich das größte Unrecht seit Menschen Gedenken, daß sie ihre Malfarben für den Kunstunterricht mittlerweile selbst bezahlen müssen. How shocking! Auf die Barrikaden! Diesen Schülerinnen sei einmal wärmstens ein Aufenthalt an einer staatlichen Schule in Paris, London oder Madrid ans Herz gelegt.

Forderung eines gebührenfreien Studiums
Sicher, daneben gab es auch ernst zu nehmendere Forderungen, wie die nach einem gebührenfreien Studium. Nur sollte man auch hier die Kirche mal im Dorf lassen: Die Rede ist von 500 Euro pro Semester. Das sind etwa 80 Euro pro Monat. Es wäre jetzt vielleicht etwas klischeehaft, zu sagen, das versaufen die meisten Studenten doch an einem Wochenende. Aber warum regen sich beispielsweise solche Leute über den Betrag auf, die das gleiche als Monatsgebühr für die Mitgliedschaft in ihrem Fitness-Studio bezahlen (von Handy-Rechnungen ganz zu schweigen)? Und überhaupt sollte man das Ganze ein bisschen mehr als Investition in den eigenen Marktwert ansehen. Wenn ein Handwerker die Meisterschule besucht, um damit seine eigene berufliche Position zu verbessern und gegebenenfalls den Wert seines Unternehmens zu erhöhen, muß er die Kosten hierfür schließlich auch selber tragen.

Ein anderer Punkt, der in diesem Zusammenhang aus Gründen der politischen Korrektheit fast niemals erwähnt wird, ist die Frage, warum ausländische Studenten hierzulande kostenlos eine Ausbildung erhalten sollen, für die sie anderswo bezahlen müssten. Die zahlreichen chinesischen Studenten beispielsweise werden hier zu Fachleuten ausgebildet, die dann mit ihrem Wissen nicht Deutschland sondern ihr Heimatland oder die USA unterstützen. Die meisten Chinesen verlassen Deutschland nämlich wieder nach dem Studium. Damit bildet Deutschland gerade in den technischen Bereichen sozusagen seine Konkurrenz von Morgen aus. Ganz nebenbei unterstützt man so noch das Regime in China. Denn diejenigen Chinesen, die in Deutschland studieren, stammen zumeist nicht gerade aus regimekritischen Familien. Vielmehr sind ihre Eltern oftmals treue Parteimitglieder. So kann die chinesische Regierung dann auf in Deutschland ausgebildete Ärzte und Ingenieure zurückgreifen, ohne auch nur einen Pfennig dafür bezahlt zu haben. Auch so kann man Diktaturen stabilisieren. Wie sich das aus deutscher Sicht mit dem Kampf für die Menschenrechte China vereinbaren lässt, ist allerdings fraglich.

In anderen Ländern ist man da schon weiter. In Norwegen oder Kanada zum Beispiel zahlen ausländische Studenten ein Vielfaches der normalen Studiengebühren. Auch dadurch können die Kosten für die einheimischen Studenten geringer gehalten werden. In Deutschland wäre eine solche Haltung jedoch kaum denkbar. Hierzulande soll nach Ansicht der meisten Studenten der Hochschulbesuch kostenlos sein und zwar für alle und am besten noch über die Regelstudienzeit hinaus. Warum nicht gleich auch noch alle Eingangsvorrausetzungen und Prüfungen abschaffen? Ist doch eh nur was für Spießer.

Und wenn´s dann doch nicht zum Abschluß reicht, kann man ja immer noch Politiker werden. Ja sogar Außenminister oder Professor in Princeton. Sollte auch das nicht klappen, bleibt einem immer noch eine Karriere als erfolgreicher Internet-Radio-Kolumnist. Da soll noch einer sagen, in Deutschland stünden einem nicht alle Wege offen.

Erich Schöffel
Wochenkolumne



Artikel von: Erich Schöffel, Internetradio RadioW


Kommentare

[Autor: Matze Geschrieben am: 30.06.2009]

von dem restlichen Text über den ich mich nicht auslassen möchte weil wir alle wissen wie dumm Deutschland und seine Schüler ist muss ich aber doch ein Wort zu den Studiengebühren loswerden. Abgesehen davon das ich es richtig fände wenn man studiengebühren bezahlen muss und es komischerweiße in allen andern Ländern funktioniert und sich nur in Deutschland darüber aufgeregt wird, wäre es vollkommen undenkbar das ausländische Studenten hier höhere Gebühren zahlen. Versuchen sie das mal einzuführen...Da wird doch gleich wieder was von Ausländerfeindlichkeit und Rassenhass geschriehen und die Deutschen sind doch eh alle Nazis es ist einfach das Tragische das wir immernoch dafür gerade stehen was Generationen vor uns passiert ist. Auch wenn man es nicht vergessen darf..ich persönlich habe die schnautze voll davon dafür verantwortlich gemacht zu werden.


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[Autor: Denis Geschrieben am: 29.06.2009]

Wow! Ich habe ja in Reaktion auf den Bildungsstreik schon einiges gehört, aber ich glaube ihr Artikel toppt sogar Frau Schavan. Es zeigt, dass sie eindeutig keine Ahnung vond er Situation der Studenten haben. Der BAfög-Höchstsatz, den ein Student bekommen kann, beträgt im Moment 584€ im Monat - dann tun 80€ für Studiengebühren schon weh. Hinzu kommen je nach Bundesland und Hochschule nochmal etwa 250€ pro Semester an Kosten für Verwaltung, Semesterticket und Studentenwerk hinzu. Ganz zu schweigen von Büchern, Materialien, und und und... Und den Höchstsatz bekommt ja auch lange nicht jeder. Ich kann mir zum Beispiel trotz Nebenjob kein Fitnessstudio für 80€ im Monat leisten. Und auch keine Handyrechnung für das gleiche Geld. Und ich bin es ehrlich gesagt auch leid, alle 6 Monate meine Eltern um 500€ anpumpen zu müssen, bzw. meinen Kredit erhöhen zu müssen. Ich bin es Leid wegen vollgepacktem Stundenplan mit Anwesenheitspflicht und Nebenjob keine Zeit zu haben um am Wochenende mal -etwas klischeehaft gesagt- 80€ zu versaufen und ich bin es leid, schon im Studium unter solch großem Konkurrenzdruck zu stehen und mich mit meinen Komilitonen messen zu müssen, aus Angst ich bekommen keinen Masterplatz. Aber wahrscheinlich haben sie Recht. Wir jammern wohl auf hohem Niveau...












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